Kodi in Frankfurt : Nonfood fürs Quartier
Kodi in Frankfurt

Nonfood fürs Quartier

Thomas Fedra
Auf 370 qm präsentiert der Händler etwa 3500 Artikel in haushaltsnahen Nonfood-Themenwelten.
Auf 370 qm präsentiert der Händler etwa 3500 Artikel in haushaltsnahen Nonfood-Themenwelten.
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Kodi in Frankfurt
Nonfood fürs Quartier
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Kodi wächst in Frankfurt. Nach den Shoppingmalls Hessen-Center und Nordwestzentrum geht der Discounter neue Wege: als Nahversorger im südlichen Stadtteil Sachsenhausen.

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Seit Ende Mai zeigt der Nonfood-Discounter Kodi in bester Lage in der Sachsenhäuser Hedderichstraße Flagge. Es fällt gleich auf: Auf der Leuchtreklame fehlt die Unterzeile. Der einstige "Haushalts-Discounter" zeigt sein neues Gesicht, setzt auf Lokalität mitten in der Großstadt, auf Preis und Leistung in einem freundlichen und einladenden Umfeld. 370 Quadratmeter ist der neue Kodi in einem der beliebtesten Frankfurter Quartiere groß. Der Durchschnitts-Kodi hat 30 Quadratmeter mehr.

"Still" wurde der neue Nahversorgungsmarkt Ende Mai Corona-konform eröffnet. In unmittelbarer Nähe ist Rewe in einem alten Depot ein Fixpunkt. Eine Apotheke, der Biohändler Alnatura und ein Drogeriemarkt befinden sich in der fußläufig erreichbaren Nachbarschaft.

Nicht jeder in dieser hippen Gegend freut sich über den neuen Discounter in der Nähe des Südbahnhofes. Der Babyausstatter, der die pandemiebedingten Lockdowns nicht überstanden hat, war den Geschäftsinhabern in der Straße willkommener, heißt es.

Doch das Urteil relativiert sich schon. Dieser Kodi ist nämlich anders. Vom Discounterimage vergangener Tage blieb nicht viel. Dunkle Höhlen, vollgepackte Gänge mit unübersichtlichen und unstrukturiert vollgestopften Regalen – das war einmal. In Sachsenhausen, wo Frankfurt mit dem Museumsufer, Äppelwoi-Kneipen und Gründerzeitbauten in bester Wohnlage punktet, präsentiert das Team um Geschäftsführer Babak Kharabi das jüngste Kodi-Konzept.

Hybride Zielgruppe

Wenn es Parkplätze vor der Tür gäbe, könnte hier der Porschefahrer Qualität zum günstigen Preis ergattern. Unter anderem auf diese Klientel zielt das neue Discount-Konzept ab. "Hybride Kunden" nennt Kharabi sie, davon sollte es in Sachsenhausen ausreichend viele geben. Eigentlich jedoch solle jeder bei Kodi einkaufen, erklärt der Manager im Brustton der Überzeugung: "Denn wir haben für jeden Bedarf das Richtige und das zum kleinen Preis. Natürlich tracken wir unsere Kundengruppen auch über verschiedene Marktforschungstools." Aber im Grunde bleibe es immer bei "jeder".

Die Fläche in der Hedderichstraße wurde nach dem neuen und bereits bewährten Filialkonzept gestaltet, das nun Zug um Zug ausgerollt werde. Zugegeben, das neue Kundenleitsystems ist in seiner Farbgebung nicht jedermanns Sache, aber es funktioniert. Zur schnellen Orientierung dienen aus jeder Ecke gut lesbare Schilder mit Piktogrammen, die auf die unterschiedlichen Warengruppen hinweisen. Der neue Kodi ist hell, die Gänge sind breit angelegt, und die Ware ist ebenerdig gut erreichbar: Hier sind Rollstuhlfahrer ebenso gern gesehen wie Familien mit einem Kinderwagen.

Haushalt, Reinigen, Schenken, Schreibwaren, Textil, Elektro und Multimedia, das sind die Anlaufstellen für die Kunden. Annähernd 3500 Artikel werden auf der Fläche dauerhaft feilgeboten.

Ausbau des Foodsortiments

Die Marschrichtung steht: Neben Nonfood wächst das Segment der Schnelldreher, und im Verlauf des Sommers nimmt der Ausbau des Foodsegments neue Konturen an. Alltagsartikel sollen die Kundschaft anlocken, Einkaufserlebnis inklusive. Kharabi blickt voraus: "In Kürze werden wir beispielsweise unser Sortiment um ein Modul erweitern." Hier gehe es um Lebensmittel aus dem Bereich Trockensortiment für spezielle Ernährungsbedürfnisse. Kharabi schwärmt: "Zu meinen Lieblingsartikeln gehören die süßen Brotaufstriche der Marke La Vida, die sowohl Bio-zertifiziert als auch glutenfrei, ohne Palmöl und fairtrade sind. Weitere spannende neue Artikel sind unsere kalorienarmen, veganen Nudeln oder vegane Bio-Kräcker der Marke Dr. Karg’s." Es scheint, als würde sich Kodi nicht länger auf das Format des Nonfood-Discounters festlegen wollen.

Im Regal liegt, was die Kodi-Marktforscher in Verbindung mit den Verantwortlichen des Category-Buying-Managements als kundenrelevant anpreisen. Marke und Eigenmarke werden unmittelbar aneinandergrenzend gespielt. Hier wird sichtbar, dass die Neuausrichtung, die 2017 mit einem annähernd kompletten Austausch des oberen und mittleren Managements ihren Auslöser fand, greift.

Neue Eigenmarken-Struktur

Der Umbau von einer vertriebsgesteuerten hin zu einer Category Buying Organisation findet in Sachsenhausen ihren Ausdruck. Die Eigenmarken wurden neu gedacht und sind jetzt unter anderem namentlich in Qualitätsstufen unterteilt – Kodi-Basic sowie -Selection und Tectro oder Provida heißen inzwischen die Handelsmarken aus Oberhausen.

"Beispielsweise verkaufen wir unsere Schallzahnbürste unter der Eigenmarke Kodi Selection. Funktion und Qualität sind besser als jene vergleichbarer Artikel führender Markenhersteller", sagt Kharabi und ergänzt: "Wir verstehen uns als Qualitätsdiscounter und haben einen sehr hohen Anspruch an unsere Produkte. Wir orientieren uns bei unseren Eigenmarken immer am führenden Wettbewerb". Die Eigenmarken werden sowohl in Deutschland und Europa als auch in Fernost produziert und müssen nach seiner Darstellung die hohen Ansprüche des Qualitätsmanagements erfüllen. Alle trügen die Siegel zertifizierter Prüfhäuser.
Standortfakten
Adresse: Hedderichstraße 47, 60594 Frankfurt am Main
Eröffnung: Ende Mai 2021
Vk-Fläche: 370 qm
Sortiment: etwa 3500 Artikel
Kassen: 2
ÖZ: Mo-Sa 8-20 Uhr

Trotz Eröffnung im Stillen herrscht bereits am ersten Kodi-Tag in Sachsenhausen Betrieb. Direkt vor der Pforte hält die Tram und spült im 20-Minuten-Takt potenzielle Kunden vor die Eingangstür. Mit dieser Frequenz sei nicht gerechnet worden, berichtete Kharabi auf Nachfrage am Montag dieser Woche. Im vergangenen Jahr war bei Kodi Toilettenpapier der Renner. Und was ging in den ersten Tagen am südlichen Frankfurter Mainufer am besten? Weißes Porzellan wurde leergekauft. Das hatte bei Kodi niemand so erwartet.

Während des ersten Lockdowns waren annähernd 80 Prozent der Filialen über Wochen geschlossen. Und auch im zweiten Lockdown war das Unternehmen erneut von vielen Schließungen betroffen. Der Ärger sitzt noch tief in Oberhausen, da ähnliche Konzepte wie etwa Drogerien uneingeschränkt geöffnet blieben. Die Pandemie hat Kodi jedoch nicht in die Knie zwingen können. Entgegen dem Trend im Nonfood-Discount hat der filialisierte Einzelhändler, der zwischenzeitlich neben Nordrhein-Westfalen, in Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg Standorte betreibt, kaum Federn lassen müssen.

Das Unternehmen erwirtschaftete 2020 einen Gesamtumsatz von 139,6 Millionen Euro. Im Vorjahr standen 140,8 Millionen Euro zu Buche. Im Rhein-Main-Gebiet und in Niedersachen werden wohl die nächsten Filialprojekte entstehen. Kodi setzt auf das Expansionspotenzial insbesondere in Kleinstädten, Fachmarktzentren und Stadtteillagen. "Mittelfristig werden wir in allen Stadtteillagen in der Rhein-Main-Region und langfristig in allen Großstädten Deutschlands vertreten sein", sagt Kharabi voraus. Und wenn er Kodi mit drei Worten beschreiben sollte? "Qualitätsdiscounter, Nahversorger, systemrelevant", so die Antwort. Damit die Kunden des neuen Marktes über Aktionen und neue Sortimente informiert bleiben, setzt der Kodi-Manager auf den guten alten Handzettel – sogar im hippen Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen.



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