Combi in Emden: Autonomes Einkaufen im City-F...
Combi in Emden

Autonomes Einkaufen im City-Format

Reinhard Rosendahl
Eigenständig einkaufen: Im City-Markt in Emden kommt der Kunde auch dann rein, wenn das Personal schon zu Hause ist.
Eigenständig einkaufen: Im City-Markt in Emden kommt der Kunde auch dann rein, wenn das Personal schon zu Hause ist.
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Combi in Emden
Autonomes Einkaufen im City-Format
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Bünting eröffnet in Emden einen Combi-Markt, der teilweise autonom betrieben wird. Die Technologie könnte zukünftig auch in Bestandsmärkten des Händlers zum Einsatz kommen.

Combi in Emden: Autonomes Einkaufen im City-Format



Das norddeutsche Handelshaus Bünting startet einen weiteren Versuch des unbemannten Einkaufens im Lebensmitteleinzelhandel. In dieser Woche hat der Händler in Emden eine City-Filiale seiner Verbrauchermarkt-Linie Combi eröffnet, die zu bestimmten Uhrzeiten ohne Verkaufspersonal betrieben wird. Ungewöhnlich ist dabei für hiesige Verhältnisse die Flächengröße, auf der Bünting autonomes Einkaufen erprobt – sie fällt mit 550 qm vergleichsweise groß aus.

Der Standort in der Emdener Innenstadt ist der zweite City-Markt unter der Combi-Flagge, den Bünting bislang realisiert hat. Im vorderen Drittel der Filiale findet der Kunde Obst und Gemüse, Backwaren und Convenience-Artikel – weiter hinten folgen dann Getränke, Frische und das Trockensortiment. Geöffnet ist der Markt mit knapp 8 000 Artikeln täglich von 6 bis 23 Uhr – Personal ist allerdings nur in der Kernöffnungszeit von 8 bis 18 Uhr präsent.

In den Morgen- und Abendstunden wird der Zugang zur City-Filiale durch Technologie des Dienstleisters Wanzl geregelt, die zum Teil bereits in einem autonomen Store des Schraubenherstellers Würth und den "Teo"-Märkten von Tegut zum Einsatz kommt. Das Prinzip: Zutritt zur Fläche erhält der Kunde mit seiner Bankkarte oder einer Kundenkarte von Bünting, auch die App des Händlers gewährt Einlass. Um den Einkauf abzuwickeln, stehen zwei Selfcheckout-Kassen zur Verfügung. Zum Verlassen des Marktes muss der Besucher am Ende den QR-Code auf seinem Kassenbon scannen – dann hebt sich die Ausgangsschranke.

Bünting öffnet länger als die Konkurrenz

Mithilfe der Technologie kann Bünting an dem Standort deutlich länger öffnen als die benachbarten Konkurrenten Edeka und Aldi Nord – und das ohne zusätzliche Personalkosten. Für Bünting geht es aber erst einmal darum, Erfahrungen mit dem neuen Ansatz zu sammeln. Werde das Modell von den Kunden angenommen, stehe einer Vervielfältigung nichts im Weg, erklärt Bünting-Vorstandschef Markus Buntz. Er hält das Konzept prinzipiell auch in Bestandsmärkten für einsetzbar, um die Öffnungszeiten zu erweitern. Auch andere Größen, etwa mit weniger Fläche, seien denkbar. "In der Skalierung sind wir frei", sagt Buntz.
Standortfakten
Adresse: Neutorstraße 35, 26721 Emden
Eröffnung: 14. Oktober 2021
Vk-Fläche: 550 qm
Sortiment: 8000 Artikel, davon 300 regionale Artikel
Kassen: 4, davon 2 SB
ÖZ: Mo-Sa 6-23 Uhr


Überall auf der Welt erproben Händler momentan die Automatisierung ihrer Verkaufsflächen. Sei es, um den Kassiervorgang überflüssig zu machen oder Flächen komplett ohne Personal zu betreiben. In Deutschland stehen derzeit vor allem kleinflächige Lösungen im Fokus – so etwa die unbemannten "Teo"-Shops von Tegut oder das "24/7"-Modell von Edeka Südwest. Selbst der Edeka-Discounter Netto testet momentan in einigen Filialen den Betrieb ohne Personal in den Abendstunden, dafür kommt allerdings Sicherheitspersonal zum Einsatz.

Auch Bünting hat im vergangenen Jahr in Oldenburg einen ersten Versuch gewagt: Neben seinem Combi-City-Markt platzierte der Händler einen Verkaufsautomaten von Wanzl, der die Einkäufe rund um die Uhr selbstständig kommissioniert. Die neue Lösung in Emden ist aufwendiger, aber längst nicht so kostenintensiv wie Amazons "Go"-Technologie. Doch auch im Combi-Markt bleibt viel Technik unsichtbar:

So ermitteln Sensoren über dem Ein- und Ausgang, wie viele Kunden den Markt betreten und verlassen. Um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten und Ladendiebstahl entgegenzutreten, wird der Markt von zehn Kameras überwacht. Das Alkoholsortiment findet sich in einem separaten Bereich, der während des autonomen Betriebs durch eine Schranke verschlossen ist. Wer dann Wein, Bier oder Spirituosen will, muss seinen Ausweis oder Führerschein zur Alterskontrolle durch den Scanner ziehen.



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