Marktkauf in Greven: Bekenntnis zum grünen M
Marktkauf in Greven

Bekenntnis zum grünen M

Christian Lattmann
Die 34 Meter lange Bedientheke mit dauerhafter Fischstation steht für einen Umsatzanteil von 11 Prozent.
Die 34 Meter lange Bedientheke mit dauerhafter Fischstation steht für einen Umsatzanteil von 11 Prozent.
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Marktkauf in Greven
Bekenntnis zum grünen M
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Nonfoodwelten, Foodspezialitäten und ein eigener Bio-Markt – auch so kann heute ein Marktkauf aussehen. Im Münsterland zeigt die Händlerfamilie Nientied auf einer ehemaligen K+K-Fläche, wie man das Großflächen-Banner neu interpretieren kann.

Marktkauf Nientied in Greven: Bekenntnis zum grünen M




Während andere Marktkauf-Flächen dichtgemacht oder in Edeka verwandelt werden, geht die Händlerfamilie Nientied den entgegensetzten Weg. In Greven bei Münster hat sie im Mai ihren zweiten Marktkauf eröffnet – obwohl die kompakte Verbrauchermarktfläche von 3900 qm auch gut in ein E-Center gepasst hätte. "Wir finden das Marktkauf-Format überzeugend", kommentiert Jan Frederik Nientied die Entscheidung. "Denn es bietet ein breites und tiefes Sortiment sowie zusätzliche Nonfood-Warengruppen, die es an diesem Standort bislang nicht gegeben hat." Zudem habe man "das Umfeld, die Fläche und das Konzept für einen Marktkauf", ergänzt sein Vater Heinrich Nientied. Schließlich mache seine Familie seit Jahren gute Erfahrungen mit dem grünen Handelsbanner.

Neben zwei Edeka-Standorten und einem Getränkemarkt in Münster betreibt das Familienunternehmen einen 3500 qm großen Marktkauf in Warendorf, etwa 35 Kilometer von Greven entfernt. Und das schon seit 2009. Damit war Nientied einer der ersten Selbständigen der Edeka Rhein-Ruhr, der einen Marktkauf nach der Eingliederung der ehemaligen AVA-Großflächen im Jahr 2008 übernommen hatte.

Nun also Greven. Der Standort ist attraktiv, denn er liegt im Speckgürtel von Münster und recht zentral in einem Wohnviertel der 38.000-Einwohner-Gemeinde. Das wussten auch die ehemaligen Betreiber zu schätzen. Bis Ende vergangenen Jahres hat dort der regionale Wettbewerber Klaas+Kock einen seiner umsatzstärksten Märkte geführt, bis er von Neu-Eigentümer Edeka die Kündigung bekam. Der Standortstreit schlug in der Öffentlichkeit Wellen, doch letztendlich musste K+K aufgeben und in eine kleinere, frühere Rewe-Fläche im Ort ausweichen. Neben drei Discountern und zwei Edeka-Märkten ist er jetzt einer der direkten Wettbewerber des neuen Marktkaufs im Ort. Die nächsten, Regie-betriebenen Marktkauf-Standorte in Münster-Loddenheide und -Gievenbeck liegen jeweils etwas mehr als 20 Kilometer entfernt und tangieren damit leicht das Einzugsgebiet der Nientieds. Insgesamt werden von 34 Marktkauf-Flächen in der Edeka-Region Rhein-Ruhr 12 Märkte von Kaufleuten betrieben.

Die neuen Mieter der Grevener Fläche wollten sich von der Vorgeschichte nicht beeinflussen lassen. "Wir haben uns nicht in die Angelegenheit eingemischt, sondern uns auf unser Konzept konzentriert", sagt Heinrich Nientied. "Der Kunde muss sich von unserer Leistung überzeugen. Und das läuft bisher recht gut." Bereits kurz nach der Eröffnung liegt der Durchschnittsbon bei 34 Euro, zur Kundenfrequenz will Nientied keine Angaben machen.

Standortfakten
Adresse: Bismarckstraße 45-47
Umbauzeit: 3 Monate
Eigene Investitionen: keine Angaben
Eröffnung: 6. Mai 2021
VK-Fläche: 3900 qm Marktkauf + 200 qm Nientied Bio
Sortiment: etwa 42.000 Artikel (+6000 im Bio-Markt)
Mitarbeiter: 120 (VZ + TZ)
Nonfood: 25 Prozent Umsatzanteil, 20 Prozent Flächenanteil
Umsatzanteil Frische: 38,3 Prozent (ohne TK)
Durchschnittsbon: 34 Euro
Frequenz: keine Angabe
Kassen: 9 (kein SCOs)
ÖZ: Mo-Sa 8-21 Uhr
Parkplätze: rund 350
Ladendesign: Maßwerk, Stapelbroek

Punkten will der Händler zum einen mit seinem kompakten Nonfoodangebot, das etwa 20 Prozent der Fläche einnimmt und für 25 Prozent des Umsatzes steht. Die  ausgesuchten Themenwelten sind mit Küchenzubehör, Kleinelektro, Schreibwaren oder Zeitschriften und Büchern haushaltsnah, dazu gibt es eine Handvoll Großgeräte wie Waschmaschinen oder Kühlschränke. Zum anderen kommen vor allem die 34 Meter lange Frischetheke und das spezialitätenreiche Sortiment gut in Greven an, berichten die Nientieds. So biete ihr Marktkauf als einziger Händler im Ort eine Frischfisch-Station an sechs Tagen die Woche an. Aber auch mit einer großen Auswahl bei Fleisch, Wurst und Käse hätten sie schon viele Kunden überzeugt. Insgesamt stehe die Bedienstation für 11 Prozent vom Umsatz im Markt.

Ein weiterer Fokus liegt auf internationalen Feinkostartikeln – ob asiatisch, russisch, arabisch oder türkisch. "Wir haben den Schwerpunkt bewusst gesetzt, auch weil inzwischen viele internationale Spezialitäten übers Internet bestellt werden", erklärt Jan-Frederik Nientied. "Als stationärer Händler müssen wir hier mit authentischen und hochwertigen Produkten gegensteuern."

Diese Maßgabe gilt auch für das Thema Regionalität. Gleich hinter der Obst- und Gemüseabteilung etwa hat der Kaufmann verschiedenste Produkte aus der Umgebung in speziellen Regalen gebündelt – vom Popcorn aus Ibbenbüren über Bisongulasch aus Warendorf bis zum Dackel-Bier aus Münster. Dabei versuchen die Nientieds den Begriff Regional möglichst eng zu fassen, der weiteste Lieferant kommt aus 37 Kilometer Entfernung. "Viel größer darf der regionale Radius nicht werden, sonst macht man sich unglaubwürdig", weiß der Juniorchef.

Nientied-Eigenmarken von Edeka Schenke

Einige Manufaktur-Produkte verkaufen die Edekaner auch unter der Eigenmarke "Nientied". Mit den derzeit drei Artikelgruppen darunter Nudeln, Suppen und Wein befindet sich die kleine Range noch im Aufbau. Interessanterweise stammen dabei die Nientied-Suppen und -Eintöpfe vom Gastro-erfahrenen Edeka-Kollegen Schenke aus Gütersloh, der sie in seinen Märkten wiederum als "Hausgemachtes im Weckglas" verkauft.

Gutes Eigenmarketing spielt in Greven auch optisch eine Rolle, um sich vom Wettbewerb abzuheben. So zeigen riesige Porträtfotos an den Wänden die verschiedenen Mitglieder der Händlerfamilie in Aktion, auf dem Marktlogo und den Preisetiketten findet sich stets der Betreibername. Dazu kommen individuelle Akzente im Ladendesign, das im Foodbereich das Düsseldorfer Planungsbüro Maßwerk gemeinsam mit Jan-Frederik Nientieds Frau Katharina entwickelt hat. So fallen Hängelampen in Buch- oder Gläserformen ins Auge, die die entsprechenden Abteilungen beleuchten. Hier und da durchbrechen auffällige Präsentationsmöbel wie etwa das kommodenartige Drogerie-Regal mit Vintage-Touch die gewohnte Optik.
„Wir führen die Bio-Fläche separat, damit wir auch Fachhandelsware anbieten können.“
Jan-Frederik Nientied, Geschäftsführer Nientied Münster

Ein hochwertiger Abschluss im Kundenlauf ist die abgetrennte Fläche "Bio-Nientied" im Vorkassenbereich. Ganz in den hellen Farbtönen Weiß, Naturholz und Abricot gehalten, bietet der Shop auf gerade mal 200 qm ein breites und tiefes Bio-Sortiment von etwa 6000 Artikeln. Das entspricht in etwa der Größenordnung, die zum Beispiel ein mittelgroßer Alnatura auf 500 bis 600 qm unterbringt. "Wir führen die Bio-Fläche separat, damit wir auch Fachhandelsware anbieten können", erläutert Jan-Frederik Nientied das Konzept.

Dahinter steht im Wesentlichen Katharina Nientied, die auch Geschäftsführerin der eigenen Bio-Firma ist. Als bioaffine Veganerin kümmert sie sich um Sortiment und Ladenauftritt. Ihr Hauptlieferant ist Dennree. Nur ein Bruchteil der Artikel werde somit auch im Marktkauf präsentiert, dort gebe es vorrangig Edeka-Bioprodukte und Altnatura-Ware. "Wir müssen uns strecken und alles bieten, was man braucht, um die Bio-Kunden zu begeistern", sieht Nientied die Fläche als Herausforderung. Als Besonderheiten nennt er eine große Auswahl bei Naturkosmetik und Tiefkühlprodukten, aber auch Backwaren und Kaffeespezialitäten von Münsteraner Bio-Lieferanten. Ihren Kaffee und Kuchen gibt es auch zum Sofortverzehr, die Kunden können auf Holzbänken in der Vorkassenzone Platz nehmen.
„Die Konzentration auf Frische allein reicht heute bei Weitem nicht mehr aus.“
Jan-Frederik Nientied, Geschäftsführer Nientied Münster

"Der Start im Bio-Markt war sehr vielversprechend", freut sich der Händler. Zudem werte die Fläche den Standort insgesamt auf. Schließlich spricht der Bio-Markt weitere Kundengruppen an und unterstreicht die Sortimentskompetenz der Betreiber. Alles in allem ziehen die beiden Geschäftsführer des Familienunternehmens für die ersten Wochen ein gutes erstes Fazit. "Wir sind mit einer deutlich höheren Basis gestartet als geplant, jetzt geht es an die Detailarbeit", resümiert Seniorchef Heinrich Nientied. Sohn Jan-Frederik, zweiter Geschäftsführer im Unternehmen, sieht sich mit Blick auf die Zukunft mit dem Marktkauf-Konzept recht gut aufgestellt. "Unsere Kernkompetenz ist es, alles für den Kunden anzubieten. Wir müssen heute ein breites Spektrum verkaufen. Die Konzentration auf Frische allein reicht heute bei Weitem nicht mehr aus."


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