Brauereien in der Corona-Krise Bierhersteller kritisieren staatliche Hilfspakete

von Miriam Hebben
Mittwoch, 01. April 2020
Neun von zehn Brauereien rechnen laut einer aktuellen Umfrage mit der Einführung von Kurzarbeit.
imago images / Klaus Martin Höfer
Neun von zehn Brauereien rechnen laut einer aktuellen Umfrage mit der Einführung von Kurzarbeit.
Brauereien in der Corona-Krise
Bierhersteller kritisieren staatliche Hilfspakete
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Die deutsche Brauwirtschaft blickt angesichts der Corona-Krise pessimistisch in die Zukunft. Mehr als jeder zweite Betrieb bewertet das Rettungspaket von Bund und Ländern mit Blick auf den Mittelstand als unzureichend. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Brauer-Bundes hervor, die der LZ vorliegt.

Der Deutsche Brauer-Bund hat seine Mitglieder zu den aktuellen und künftigen Auswirkungen der Corona-Pandemie befragt. Das Bild, das etwa 70 Mitglieder in dem Schreiben zeichnen, ist trist. Insbesondere bei den Themen Liquidität und Beschäftigungslage zeigen sich die Probleme für eine zum großen Teil von kleinen und mittelgroßen Betrieben geprägten Branche. Fast alle Unternehmen rechnen mit einem Rückgang der Umsätze. 80 Prozent sehen zudem Miet- und Pachteinnahmen wegbrechen. Demnach erwarten drei von vier Brauereien Probleme bei der Tilgung von Finanzierungen.

Das wirkt sich auch unmittelbar auf die Beschäftigungslage aus. Neun von zehn Brauereien rechnen mit der Einführung von Kurzarbeit, 18 Prozent sogar mit Entlassungen. Bei größeren Brauereien war bislang lediglich der Außendienst vom Thema Kurzarbeit betroffen

Kritisch äußerten sich die befragten Brauereien zu den derzeitigen Hilfsmaßnahmen von Bund und Ländern. Die Mehrheit bewertet die Hilfspakete als unzureichend. Scharfe Kritik üben die Befragten an den uneinheitlichen Ansätzen der verschiedenen Bundesländer – und daran, dass die meisten von ihnen den Mittelstand unzureichend berücksichtigen.

So wird mehrfach berichtet, dass Darlehen abgelehnt oder bessere Konditionen eingefordert würden. Zudem würden Kredite für die gebeutelte Gastronomiewirtschaft das "Problem nicht lösen, sondern nur aufschieben". Viele befürchten offenbar, dass es ein großer Teil der Gastronomiebetriebe so gar nicht erst durch die Krise schaffe.

Sorge um Rohstoff- und Materialversorgung

Neben den – mittlerweile beschlossenen – Steuerstundungen fordern die Brauer eine flächendeckende Gewährung von Zuschüssen für mittelständische Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten. Zudem wird die Übernahme von Haftungsrisiken durch die Förderbank KfW angeregt, um den Hausbanken Zinssenkungen für betroffene Unternehmen erleichtern zu können. Zuvor hatte bereits der baden-württembergische Brauerbund in einem Brandbrief an den Ministerpräsidenten eine Nachbesserung gefordert

Ein derzeit noch entspanntes Bild ergab die Frage nach der aktuellen Versorgungslage. Die Produktions- und Lieferfähigkeit sei aktuell weitestgehend gesichert. Lediglich bei der Rohstoff- und Materialversorgung ergeben sich punktuell bereits erste Engpässe – beispielsweise bei Verschlüssen, Glas und anderen Verpackungsmaterialien.

Mit Blick auf die kommenden Wochen könnten sich die Engpässe allerdings verschärfen. Vor allem im Bereich Personal und beim Leergut erwarten die Brauereien Knappheit. So berichten viele Brauer, dass immer mehr Verbraucher Ware horten und auch der Großhandel Leergut nicht zügig genug zurückführe. 

Coronavirus (Symbolbild)
imago images / ZUMA Press

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