Corona-Effekt Weinabsatz brummt

von Christoph Murmann
Donnerstag, 09. April 2020
Mit Sonderschichten verhindern die Lieferanten bisher noch leere Weinregale im LEH.
imago images / Geisser
Mit Sonderschichten verhindern die Lieferanten bisher noch leere Weinregale im LEH.
Corona-Effekt
Weinabsatz brummt
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Auf dem Weinmarkt herrscht zur Zeit große Ungerechtigkeit. Während die Lieferanten der Supermärkte trotz Sonderschichten die Nachfrage kaum decken können, ist das Geschäft für andere wie abgeschnitten.

Supermärkte und Discounter verkaufen wegen der geltenden Quarantäne 20 bis 40 Prozent mehr Wein als zu normalen Zeiten – und dies fast ohne Aktionen, zum Regalpreis. Handelskellereien und Importeure haben derzeit vor allem eine Sorge: wie sie die Liefersicherheit gewährleisten. Leere Weinregale wie im britischen Handel gibt es hierzulande noch nicht.

Noch produzieren auch die ausländischen Abfüllbetriebe. Die eigenen Kellereien in Italien und Spanien seien voll lieferfähig, berichtet Dirk Schneider, Geschäftsführer von Schenk in Baden Baden. Doch über allen schwebt das Damoklesschwert von Infektionen und Betriebsschließungen. Zur Vorbeugung wurden die Hygienestandards bei der Abfüllung wie in den Lagern aufs Äußerste verschärft. Die einen arbeiten Tag und Nacht, bei anderen gibt es Kurzarbeit, manchmal im selben Konzern: die Vertriebsgesellschaften von Schenk in Frankreich, Italien und Spanien sind davon betroffen, ebenso wie die kleinen Startups von Mack & Schühle.

Online kommt aus der Nische

Neben dem LEH gehöre der Onlinehandel, zumindest der mit Wein, zu den Gewinnern, berichtet Matthias Willkomm von der Kellerei Peter Mertes. In seinem Unternehmen werde rund um die Uhr gearbeitet, aber auch die Weinversender packten so viele Pakete wie nie. Außerdem setzen viele Winzer zur Zeit auf den Postweg, schreiben ihren Privatkunden und bieten Direktlieferungen an.

Denn die sonst viel beneideten renommierten Selbstvermarkter erleiden derzeit schwere Umsatzeinbrüche. Selbst bei Stars der Branche fahren kaum noch Kunden auf den Hof. Selbst wo das noch erlaubt ist, ist alles verboten, was solche Besuche zu einem Erlebnis macht: Verkostungen, Besichtigungen, Restaurantbesuche.

Dazu kommt für Edelwinzer und Fachgroßhändler der Totalausfall der Gastronomiebelieferung. Rudolf Knickenberg vom Premium-Anbieter Schlumberger ist froh, dass er neben dem Kerngeschäft mit Restaurants und Facheinzelhändlern zuletzt das Geschäft mit Privatkunden ausdehnen konnte. Die bestellten nun aus dem Homeoffice teilweise extrem teure Weine, um sich für die geltenden Restriktionen zu entschädigen. Kurzarbeit gilt bei Schlumberger trotzdem.

Fachhändler setzen sich juristisch durch

Nach den Hamsterkäufen von Toilettenpapier und Mehl kaufen die Verbraucher im Lebensmittelhandel vermehrt Produkte, die ihnen das Leben zu Hause angenehm machen, berichten Marktbeobachter, und zum guten Essen gehört für viele ein Wein. Sekthersteller profitieren nicht von den besonderen Umständen; Sekt wird noch immer mit besonderen Anlässen assoziiert, und für Perlweine und Cocktails fehlt derzeit der gesellige Anlass.

Weinfachgeschäfte berufen sich mit unterschiedlichem Erfolg darauf, als Getränkemarkt öffnen zu dürfen. Jacques Weindepot unterstützt seine Partner im Streitfall juristisch. Als hilfreich erweist sich dann, neben Chianti auch Nudeln und Antipasti im Angebot zu haben.

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