Corona-Krise Iglo-Mutter Nomad Foods wappnet sich

von Maurizio Giuri und Hendrik Varnholt
Donnerstag, 19. März 2020
Wachstumstreiber: Iglo wächst in Deutschland seit Jahren schneller als der Tiefkühlmarkt.
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Wachstumstreiber: Iglo wächst in Deutschland seit Jahren schneller als der Tiefkühlmarkt.
Corona-Krise
Iglo-Mutter Nomad Foods wappnet sich
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Die Iglo-Mutter Nomad Foods trifft Vorbereitungen, um bei einer Verschärfung der Corona-Krise das eigene Sortiment verkleinern zu können. CEO Stéfan Descheemaeker will damit sicherstellen, dass selbst in einem Worst-Case-Szenario Rennerprodukte wie Fischstäbchen lieferbar bleiben. Für das laufende Geschäftsjahr setzt der Konzern Hoffnungen in das Geschäft mit Fleischalternativen.

Gespräche mit Unternehmenslenkern verlaufen derzeit nach einem gemeinsamen Muster: Das Coronavirus dominiert jede Diskussion. Stéfan Descheemaeker, Vorstandsvorsitzender von Nomad Foods, ist keine Ausnahme: "Es ist eine komplexe Situation, aber wir können damit umgehen", sagt der Chef des größten Tiefkühlkost-Herstellers Europas im Gespräch mit der LZ. Der Iglo-Mutterkonzern hat mehrere Werke in Europa. Man bereite sich derzeit auf verschiedene Szenarien vor. Dazu zählt laut Descheemaeker, im schlimmsten Fall die Breite des Angebots zu Gunsten von Rennerprodukten wie Fischstäbchen einzuschränken. "Wir registrieren eine steigende Nachfrage, unsere Lieferketten sind unter Druck", berichtet Descheemaeker. Derzeit könne aber nach wie vor alles wie gewohnt produziert werden. "Fischstäbchen werden jederzeit verfügbar sein", verspricht Descheemaeker.

In diesen turbulenten Tagen ist es laut dem Konzernchef noch zu früh, um über die Effekte der Corona-Krise auf das Geschäft zu sprechen. Das Virus schränkt allerdings Descheemaeker zufolge einen anderen wichtigen Bereich des Konzerns ein: Unternehmenszukäufe. "Corona wirkt sich auf unsere Akquisetätigkeit aus. Man kann keine Leute mehr treffen oder Werke besichtigen", berichtet der CEO und betont, dass Hersteller derzeit in vielerlei Hinsicht ausgesprochen flexibel agieren müssten.

Flexibel zeigt sich Nomad auch jenseits der Corona-Krise: Obwohl das Unternehmen als Fisch- und Gemüsespezialist gilt, wagt der Konzern derzeit in zahlreichen europäischen Ländern auf breiter Front den Einstieg in den Markt für Fleischersatz auf Basis von Pflanzenproteinen.

Start mit Veggiprodukten ist geglückt

Auch in Deutschland können Kunden seit Kurzem unter Iglo Green Cuisine Produkte wie Veggieburger oder Hack aus Erbsen kaufen. "Es war ein toller Start. Wir hören aus dem Handel, dass die Wiederkaufraten sehr gut sind", berichtet Deutschlandchefin Antje Schubert. Die Managerin sieht hierzulande noch Nachholbedarf, was Fleischalternativen in der Tiefkühlkost angeht: "In Deutschland ist der Markt noch nicht entwickelt." Länder wie Schweden oder Großbritannien seien sehr viel weiter, die Konkurrenz in den Truhen für Nomad dort größer, berichtet Schubert.

Die Gesamtentwicklung der vergangenen Jahre fasst die Deutschlandchefin selbstbewusst zusammen: "Iglo treibt in Deutschland die Kategorie Tiefkühlkost an und wächst kontinuierlich stärker als der Markt." So habe Iglo auf Basis der letzten fünf Jahre um über 5 Prozent zugelegt, während der Markt insgesamt nur um etwa 2 Prozent gewachsen sei. In der kommenden Woche legt Iglo seine Deutschlandzahlen vor. Die Hamburger müssen sich an einem Umsatz von rund 490 Mio. Euro messen lassen, den der Hersteller 2018 erlöste.

Nomad will um 2 bis 3 Prozent wachsen

Die beiden amerikanischen Investoren Noam Gottesmann und Martin Franklin gründeten 2014 Nomad. Durch Übernahmen von Marken wie Iglo und Findus hat sich binnen eines halben Jahrzehnts daraus der größte Hersteller von Tiefkühlkost Europas entwickelt. Nach einer Aufbau- und Turnaround-Phase befindet sich der in New York notierte Börsenkonzern eigenen Angaben zufolge nun in einer Phase "nachhaltigen Wachstums". In dieser gehe es darum, Innovationen auf den Markt zu bringen und Unternehmenszukäufe voranzutreiben. Im vergangenen Jahr lag der Konzernumsatz bei 2,32 Mrd. Euro. "In diesem Jahr planen wir mit einem organischen Wachstum von 2 bis 3 Prozent", sagt Descheemaeker. Die Stärke von Nomad seien lokale Marken, die von einer globalen Organisation profitierten: Iglo in Deutschland, Birdseye in Großbritannien und Findus in Südeuropa. "Wir mögen es gerne, global und lokal zur gleichen Zeit zu agieren."

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