Corona-Krise Startups sorgen sich um Finanzierung

von Maurizio Giuri
Freitag, 27. März 2020
Gefragt, aber fragil: Startups sind durch die Corona-Krise stärker bedroht als etablierte Lebensmittelhersteller.
Foto: Jörg Eber
Gefragt, aber fragil: Startups sind durch die Corona-Krise stärker bedroht als etablierte Lebensmittelhersteller.
Corona-Krise
Startups sorgen sich um Finanzierung
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Die Corona-Krise verunsichert derzeit viele Startups. Auch in der vergleichsweise krisensicheren Lebensmittelbranche machen sich junge Unternehmen Sorgen über die zukünftige Finanzierung ihres Geschäfts.

Durch das Coronavirus stehen deutsche Lebensmittel-Startups plötzlich vor der ersten Wirtschaftskrise ihrer jungen Firmengeschichte. Wie so oft gibt es dabei Gewinner und Verlierer: "Manche Startups sind mit großen Umsatzeinbrüchen konfrontiert, andere erleben regelrechte Höhenflüge", berichtet Sebastian Stricker. Der Gründer von Share kommt mit seinem Unternehmen bislang nach eigener Aussage gut durch die Krise, da das breite Portfolio aus Getränken, Hygieneprodukten und Lebensmitteln "Grundbedürfnisse adressiert". Mit Blick auf die Branche sieht Stricker Unternehmen im Vorteil, die auf Online-Geschäftsmodelle, Lieferdienste und diversifizierte Produktportfolios setzen.

Patrick Seidler, Geschäftsführer der Unternehmensberatung S&B berichtet, dass sich viele Jungunternehmer sorgen, ob die Liquidität für die nächsten Wochen und Monate reiche. Startups seien stärker von Engpässen bedroht als etablierte Großunternehmen, die über genügend Reserven verfügen. Oberstes Ziel müsse nun sein, die Lieferfähigkeit aufrechtzuerhalten. Startups, die fremdproduzieren lassen, rät Seidler sich nach alternativen Partnern umzuschauen, die im Zweifel einspringen können. Insbesondere für junge Startups ohne etablierte Marktpostion werde es sehr schwer, in nächster Zeit von Investoren Kapital zu bekommen, schätzt Seidler.

Little Lunch will Finanzierungsrunde nicht verschieben

Zu dieser Kategorie zählt Little Lunch nicht mehr. Das etablierte Suppen-Startup aus Augsburg spricht von "deutlichen Umsatzzuwächsen", da die Relevanz von Bio-Convenience durch die Krise gestärkt werde. Auch geplante Finanzierungsrunden in diesem Jahr würden nicht verschoben, sagt Gründer Denis Gibisch auf LZ-Anfrage.

Thomas Prüver, Partner bei der Unternehmensberatung EY, berichtet von Investoren, die Bewertungen aus Vor-Corona-Zeiten von einzelnen Startups nun hinterfragen. Wer etwa Expansionspläne für Südeuropa in der Tasche habe, dürfte es damit dieser Tage schwer haben, bei potenziellen Geldgebern zu punkten. Zwar gebe es nach wie vor noch Transaktionen, doch Geldgeber finanzierten dieser Tage auf Sicht. Gründer müssten für den Einstieg eines Investors mehr Anteile abgeben oder mit weniger Kapital rechnen, berichtet Prüver. Er rät jungen Unternehmen, das Gespräch zu suchen und transparent zu kommunizieren. Investoren sollten signalisiert bekommen, dass das Startup die Krise aktiv managt. Auf lange Sicht zeigt sich Prüver aber optimistisch.

"Die Corona-Krise ändert langfristig nichts an der Relevanz der Lebensmittel-Startups für den Handel und die Verbraucher." Ähnlich sieht es auch Niccolo Manzoni vom französischen Investor Five Seasons. Die Beteiligungsgesellschaft hat sich auf Lebensmittel-Startups spezialisiert und hält unter anderem Anteile an Just Spices. "Die Lebensmittelindustrie ist der letzte Wirtschaftsektor, der einbricht", sagt Manzoni. Dennoch sei es dieser Tage besser, mehr Geld auf der Bank zu haben als zu wenig.

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