Geschäft mit Putzmitteln und Handseifen Corona treibt die Umsätze von Reinigerherstellern

von Hans Bielefeld
Donnerstag, 26. März 2020
Deutliche Effekte: Das Coronavirus sorgt für leere Seifenregale.
Fotos: Foto2press, Sven Simon/Imago; Flas100/Stock.Adobe.com
Deutliche Effekte: Das Coronavirus sorgt für leere Seifenregale.
Geschäft mit Putzmitteln und Handseifen
Corona treibt die Umsätze von Reinigerherstellern
:
:
Info
Abonnenten von LZ Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.
Das Coronavirus sorgt bei Herstellern von Putzmitteln und Handseifen für anziehende Geschäfte. Geschlossene Parfümerien und Friseure lassen bei Kosmetikkonzernen dagegen die Umsätze einbrechen.

Hersteller von Putzmittel, Handseifen und Desinfektionsmittel verzeichnen ausgelöst von der Corona-Krise gerade Auftragseingänge in bislang nicht erreichtem Ausmaß. Mittelständler wie Werner & Mertz aber auch Großkonzerne wie Reckitt Benckiser berichten von teilweise deutlich dreistelligen Zuwachsraten. Die Nachfrage wächst so stark, dass die Unternehmen mit ihrer Produktion kaum hinterherkommen. In den Regalen klaffen etwa bei Handseifen und Desinfektionsmitteln große Lücken. "Wegen der deutlich gestiegenen Nachfrage im März können wir aktuell einige Produkte wie Handseifen nicht sofort liefern", sagt Reinhard Schneider, geschäftsführender Gesellschafter von Werner & Mertz, im Gespräch mit der LZ. Um die hohe Nachfrage bedienen zu können, konzentriere sich sein Unternehmen aktuell auf die Herstellung der gängigen Produkte. Exotische Produkte produziere der Mittelständler kaum noch.

Auch Reckitt Benckiser hat in seinen Fabriken die Prozesse umgestellt, um die explodierende Nachfrage vor allem nach der Marke Sagrotan bedienen zu können. "Der Sagrotan-Absatz steigt in allen Bereichen – vom Desinfektionsmittel für die Hände über Flüssigseife bis hin zu Putzmittel", berichtet Xenia Barth, Deutschlandchefin der Reinigersparte von Reckitt.

Der Mittelständler Delta Pronatura berichtet ebenfalls über deutliche Zuwächse im Rahmen der Corona-Krise. Das gerade erst lancierte Desinfektionsmittel zur Reinigung von Küchen und Bädern wird den Egelsbachern förmlich aus den Händen gerissen. "Wir könnten aktuell Millionen von unserem neuen Desinfektionsmittel verkaufen, aber die Kapazitäten reichen dafür nicht aus", sagt Heiner Beckmann, geschäftsführender Gesellschafter seines Unternehmens. Im Geschäft mit Handelsmarken zeigt sich ein ähnliches Bild. Der britische Hersteller McBride etwa berichtet über einen Anstieg der Bestellungen von Produkten wie Bleichmittel, desinfizierenden Sprays sowie Geschirrspülmittel.

Angst vor Fabrikschließungen ist groß

Die Freude über die zusätzlichen Geschäfte hält sich bei den Herstellern allerdings in Grenzen – zu ungewiss sind die Folgen des Coronavirus für die Industrie. Groß ist die Angst vor allem vor Fabrikschließungen. Müssten Unternehmen ihre Produktion wegen infizierter Mitarbeiter teilweise oder komplett stoppen, wären die Folgen dramatisch. Umsätze würden einbrechen und die Liquidität zusammenschrumpfen. "Aktuell haben wir noch ein dickes Kapitalpolster. Das Risiko, dass uns die Liquidität komplett ausgeht, sehe ich nicht", sagt Werner-&-Mertz-Chef Schneider. Ein Produktionsstopp würde die Mainzer nach eigenen Angaben allerdings "in ihrer Investitionsfähigkeit zurückwerfen." Das Unternehmen investiert gerade kräftig in den Ausbau seiner Kapazitäten.

Zu schaffen machen den Herstellern zudem die knappen Rohstoffe. "Der größte Engpass bei der Herstellung von Desinfektionsmitteln ist der Alkohol. Momentan haben wir noch genug, aber langsam wird der Alkohol knapp", sagt Beckmann. Auch Wettbewerber Werner & Mertz berichtet über einen Rohstoffengpass. "Die Preise für Chemikalien wie Isopropanol und Ethylalkohol gehen gerade durch die Decke", sagt Schneider. Ob Werner & Mertz noch lange Glasreiniger liefern könne, für die das Unternehmen den knappen Rohstoff ebenfalls benötigt, sei momentan ungewiss. Eine Erhöhung der Abgabepreise hält Schneider mit Blick auf die anziehenden Rohstoffpreise bei einigen Produkten für alternativlos.

Bei Kosmetikherstellern brechen die Umsätze weg

Bei zahlreichen Kosmetikherstellern lässt das Coronavirus dagegen die Umsätze einbrechen. Weil Parfümerien und Friseure schließen und die Umsätze in den Duty-Free-Geschäften schrumpfen, erwarten vor allem die Hersteller hochpreisiger Parfums und Cremes deutliche Einbußen. So prognostiziert Coty für das dritte Quartal einen Umsatzrückgang von 20 Prozent. Auch Wettbewerber Estée Lauder und Inter Parfums erwarten deutliche Belastungen durch das Virus. Beide Unternehmen haben ihre Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2020 gerade kassiert. Auch Schwarzkopf-Hersteller Henkel dürfte zumindest im Friseurgeschäft Umsätze verlieren. Auf Anfrage der LZ wollten sich die Düsseldorfer zu den Folgen der Corona-Krise auf ihr laufendes Geschäft nicht äußern.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Anzeige

Meistgelesen

stats