Interview mit Engel & Zimmermann-Vorstand Frank Schroedter "Coronavirus ist kein Gewinner-Thema"

von Bernd Biehl
Freitag, 20. März 2020
Frank Schroedter, Vorstand der Kommunikationsagentur Engel & Zimmermann
Engel & Zimmermann
Frank Schroedter, Vorstand der Kommunikationsagentur Engel & Zimmermann
Interview mit Engel & Zimmermann-Vorstand Frank Schroedter
"Coronavirus ist kein Gewinner-Thema"
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Angesichts der Corona-Krise gilt es, den richtigen Ton zu treffen. Das weiß kaum einer besser als Frank Schroedter, Vorstand der Kommunikationsagentur Engel & Zimmermann. Die LZ hat mit ihm über deplatzierte Äußerungen und die Notwendigkeit eines Statements in Zeiten der Digitalisierung gesprochen.

Herr Schroedter, schwierige Zeiten für die Kommunikation. Ist dem Profi schon was aufgefallen, was eher daneben war?

Verwundert hat mich der Aufruf des Verbandes der E-Zigaretten-Hersteller, die Grundversorgung zu sichern und diese Läden aufzulassen. Über den Inhalt kann man streiten, aber das ist der falsche Zeitpunkt und die falsche Zielgruppe. Was ich auch für fehl am Platz halte ist, das schillernd bunte Marketingtreiben mit Gewinnspielchen in Social Media einfach so weiterzumachen. Und sarkastisch wirkende Posts zum Thema gute Luft auf Reiseseiten, das sollte man jetzt lassen.
 
Erst nachdenken, dann werben?

Oder einfach mal sein lassen für eine Zeit lang. Ein TK-Hersteller hat sich für die TV-Spots für August schon eine andere Bilderwelt einfallen lassen, vielleicht zieht dann heile Familie nicht mehr so gut. Ich muss auch derzeit keine Konsum- und Absatz fördernden Spots machen, das kommt komisch. Auch in vier Wochen werden wir noch keine Normalität haben in Sachen Werbung.
  
Bild hat online vier Handels-Top-Manager befragt zur Liefersicherheit. Wie wichtig sind solche Auftritte von Top-Leuten aus der Branche, ist das beruhigend?

Definitiv. Im Moment hat die Lebensmittelwirtschaft eine gesellschaftspolitische Relevanz. Sie muss die Versorgung sichern und das auch kommunizieren. Das empfehlen wir auch unseren Herstellern. Bitte jetzt nur Kommunikation zu Versorgung und Lieferketten. Idealerweise nichts anderes. Die Branche kann das leisten.
 
Klarheit vor PR?

Es geht um die Bekräftigung der Lieferfähigkeit, wenn Begriffe wie Ausgangssperre bei den Menschen negative Reflexe auslösen. Frau Klöckner und die Herren Genth und von Boetticher haben versucht, das gemeinsam richtig rüberzubringen. Aber die Glaubwürdigkeit der tatsächlichen Chefs ist natürlich höher als die der Ministerin, auch wenn man sie nicht kennt. Denn auch in der klassischen Krisenkommunikation gilt immer der Chef als letzte Instanz für Glaubwürdigkeit.
 
Die Industrie hält sich noch eher zurück. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Intern nehmen die Betriebe das sehr ernst, da positionieren sich viele. Verschlossene Unternehmen tun sich extern weiter schwer. Manager, die gut rüberkommen, sollten da keine Scheu haben. Aber manche Firmen tun sich schwer, mit einem negativ besetzten Thema wie Corona in Zusammenhang gebracht zu werden. Coronavirus ist kein Gewinner-Thema. Dann überlässt man die Kommunikation dem Verband. Ich komme dennoch nicht darum herum, mich damit auseinanderzusetzen. Gleichzeitig gilt: Nicht kommunizieren gilt nicht. In Zeiten der Digitalisierung ist alles Interne auch bald extern.

Aber schade ist es doch, wenn die Industrie verglichen mit dem Handel da so abtaucht.

Ich glaube, keiner will da als Kriegsgewinnler dastehen. Das muss man auch nicht, wenn man klar erklärt, dass man seine Kapazitäten unter Sicherung der Gesundheit der Mitarbeiter verdoppelt. Um die Liefersicherheit zu gewährleisten. Das ist eine neutrale aber wichtige News, wir produzieren weiter. Sachlich muss es sein in diese Situation, es braucht den richtigen Ton.

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