Interview mit Landgard-Vorstandschef Armin Rehberg "Jetzt sind Macher gefragt"

von Dirk Lenders
Donnerstag, 19. März 2020
Armin Rehberg, Vorstandsvorsitzender der Landgard eG
Landgard/jochenrolfes.de
Armin Rehberg, Vorstandsvorsitzender der Landgard eG
Interview mit Landgard-Vorstandschef Armin Rehberg
"Jetzt sind Macher gefragt"
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Die Corona-Krise stellt für den grünen Riesen Landgard große Herausforderungen dar. Die LZ hat mit Vorstandschef Armin Rehberg gesprochen - unter anderem über Grenzkontrollen, die logistische Versorgung sowie das Export- und Import-Geschäft.
Herr Rehberg, die Corona-Krise trifft mit Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen in Europa die Betriebe, die auf Saisonarbeiter angewiesen sind. Wie ist die Situation bei Landgard?

In den Produktionsbetrieben ist die Lage sehr unterschiedlich, teilweise sind geplante Saisonarbeiter bereits eingetroffen, teilweise noch nicht oder nicht in voller Zahl. Als Erzeugergenossenschaft stehen wir im permanenten Austausch mit unseren Mitgliedern und prüfen sämtliche mögliche Unterstützung.

Wie sieht es bei Logistik und Warenversorgung aus?

Aktuell bei uns noch gut. Die Lieferketten laufen und die Waren kommen bis dato noch fast zu 100 Prozent bei unseren Kunden an. In Spanien sind bei teilweise auslaufender Saison die Verfügbarkeiten an Arbeitskräften durch die Ausgangssperre hier und da extrem herausfordernd. Für die jetzt beginnende deutsche Saison ist genau dies ein ganz wichtiger Faktor im Rahmen der Ernte und Warenversorgung. Wir haben deshalb unsere Forderungen an die Politik gemeinsam mit BVEO, DBV, DRV bezüglich jetzt notwendiger Erleichterungen und Hilfen deutlich zum Ausdruck gebracht. Die Herausforderungen an die Bereitstellung von Eigen- und Fremdpersonal, Logistik, Ernte, Verpackung, Preisgestaltung und Mengenverfügbarkeiten sind natürlich extrem.

Sind die Bestellmengen im LEH signifikant höher?

Die Sicherheit der Warenversorgung hat für uns derzeit neben dem Schutz und der Gesundheit unserer Mitarbeiter und Partner absolute Priorität. Stand heute ist ausreichend Ware verfügbar und wir können Lieferungen sowohl an Kunden aus dem LEH als auch aus dem Discount zuverlässig erfüllen. Und das obwohl die Bestellmengen nahezu bei allen Kunden und Warengruppen um 30 bis 40 Prozent — teilweise sogar bis zu 100 Prozent — gestiegen sind. Prognosen für die kommenden Wochen sind natürlich nur mit Vorsicht zu treffen. Wir stehen aber im ständigen Kontakt mit Lieferanten, Produktionsbetrieben und Kunden, um gegebenenfalls frühzeitig gemeinsam alternative Lösungen hinsichtlich Kaliber, Herkunft, Qualitäten, Mengen und Preisen zu finden. Dabei sehen wir insgesamt auf allen Seiten sehr viel Flexibilität, Verständnis und auch Pragmatismus, um die Warenversorgung in dieser Ausnahmesituation zu gewährleisten.

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Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf deutsche Exporte und auf Importe beispielsweise aus Spanien?

Aktuell ist in unseren Produktionsländern Ware in ausreichender Menge verfügbar und die Lieferketten laufen zuverlässig. Nichtsdestotrotz liegen sowohl in den aktuellen Beschaffungsländern wie z. B. Italien oder Spanien, zunehmend aber auch bei uns in Deutschland durchaus Extremsituationen vor. Daher gilt mehr denn je, ruhig, besonnen und professionell zu bleiben, in enger Abstimmung miteinander zu handeln und auch viel zu reden. Jetzt sind Macher gefragt. Nur gemeinsam können wir Lösungen finden, um die schwierigen Entwicklungen der nächsten Zeit bestmöglich durchzustehen. Durch unsere logistische Stärke sind wir aktuell in der Lage, die beidseitigen grenzüberschreitenden Warenverkehre zu organisieren und durchzuführen. Allerdings bei deutlich gestiegenen Kosten und Aufwänden.

Coronavirus (Symbolbild)
imago images / ZUMA Press

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