Liquiditätshilfen Veltins stützt den Gastrogroßhandel

von Heidrun Krost
Freitag, 27. März 2020
Brauerei Veltins stützt den Getränkegroßhandel.
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Brauerei Veltins stützt den Getränkegroßhandel.
Liquiditätshilfen
Veltins stützt den Gastrogroßhandel
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Veltins geht voran und stützt den Gastro-Großhandel mit Liquiditätshilfen. Bei der Fassware der Marken Veltins und Grevensteiner geht es um eine Rückzahlung in Millionenhöhe. Auch die Brauereien Kalsberg sowie Maisel arbeiten an Lösungen, um der durch Betriebsschließungen betroffenen Gastronomie zu helfen. 
 
Das sauerländische Brauunternehmen C. & A. Veltins hat zur Stützung des Getränkefachgroßhandels eine Sofortmaßnahme zur Liquiditätsstärkung beschlossen. Partner aus dem Getränkefachgroßhandel, die flächendeckend durch die krisenbedingte Schließung der Gastronomie und dem dadurch verursachten Warenstau betroffen sind, erhalten auf Basis des Warenwertes ihrer letzten Fassbierabholung eine Gutschrift in Höhe von 60 Prozent des Warenwertes.

"Wir wollen unseren langjährigen Partnern helfen, die angespannte Liquiditätssituation zu bewältigen", sagte Veltins-Generalbevollmächtigter Michael Huber. Die Veltins-Rückzahlung in Millionenhöhe soll einen veritablen Beitrag leisten, um nach der Krise wieder starten zu können, ohne auf den Warenbestand verzichten zu müssen. Michael Huber: "Wir wollen ein deutlich spürbares Signal geben, dass wir dem Getränkefachgroßhandel in schwerer See das Kurshalten erleichtern."

Die Brauerei Veltins zählt mit einem Ausstoßanteil von 17 Prozent nach der Bitburger-Gruppe mit etwa 21 Prozent im zurückliegenden Geschäftsjahr zu den größten gastronomietreuen Brauereien Deutschlands. Der Fassbierausstoß lag im zurückliegenden Geschäftsjahr bei 523.200 hl. Es wurden 14.750 verbundene Gastronomiebetriebe bedient, die die Marken Veltins und Grevensteiner am Hahn führten.

Handelsgeschäft kann Ausfall nicht kompensieren

Das Thema Fassbier beschäftigt derzeit alle Brauereien. Das bestätigt auch Jeff Maisel, Chef und Inhaber der gleichnamigen Weißbierbrauerei in Franken. "Wir müssen jetzt partnerschaftlich zueinander stehen und versuchen, Insolvenzen in der Gastronomie zu verhindern", sagt er. Die Brauerei Gebr. Maisel KG hat einen Fassbieranteil von rund 25 Prozent. Maisel selbst ist über eine Beteiligung an der Bier-Erlebnisgaststätte "Liebesbier" in  Bayreuth als Mitinhaber von Gastronomieschließungen betroffen. "Der Gastroschock sitzt tief", sagt er. Etwaige Mehrverkäufe aktuell im Handel würden den Wegfall des Absatzkanals nur geringfügig und nur temporär auffangen.

Kompensationshilfen für Gastropartner sind - wie aus der Branche zu hören ist - derzeit bei allen Brauunternehmen auf der Agenda. Auch die saarländische Karlsberg-Brauerei arbeitet mit Hochdruck an Lösungen gemeinsam mit Kunden. Mitarbeiter des regionalen Verlegers Vendis-Gastro, der zur Karlsberg-Gruppe gehört, sind seit vergangener Woche in Kurzarbeit. Laut Karlsberg-Chef Christian Weber geht es darum, die Zeit jetzt zu nutzen, um Digitalisierungsprojekte und IT voranzubringen. "Wenn das Gastrogeschäft wieder anrollt, müssen wir da sein", sagt Weber. 

Begrenzte Haltbarkeit

Für gewöhnlich ist Fassbier wie Flaschenbier auf ein Mindesthaltbarkeitsdatum von sechs Monaten ausgelegt. Nur selten liegt das MHD bei neun Monaten. Je länger die Ausgehsperren dauern, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Schankqualität nicht mehr ausreichend ist. Aktuell ringen daher alle Brauer um eine Lösung mit den Gastronomen und dem gastroorientierten Getränkefachgroßhandel, der just in der aktuellen Situation schwer von dem Wegfallen von Großveranstaltungen und dem Wegbrechen des Außerhaus-Geschäftes betroffen ist. Diskutierte  Lösungen reichen von Rücknahme gegen Kulanz und teilweiser Stundung des Warenwerts bis hin zu beratender Unterstützung, um öffentliche Liquiditätshilfen und kostenfreie Kredite zu nutzen.

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