Molkereikongress Marken gewinnen an Bedeutung

von Dirk Lenders
Donnerstag, 27. Februar 2020
Die 260 Kongress-Teilnehmer nutzten die Pausen zum Austausch über die Vorträge und über die aktuelle Branchenentwicklung.
dfv Conference Group/Hans-Rudolf Schulz
Die 260 Kongress-Teilnehmer nutzten die Pausen zum Austausch über die Vorträge und über die aktuelle Branchenentwicklung.
Molkereikongress
Marken gewinnen an Bedeutung
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Zwei Dutzend hochkarätiger Referenten und Diskussionsteilnehmer stellten den 260 Teilnehmern am LZ-Molkereikongress ihre Konzepte und Ideen für mehr Wertschöpfung, Nachhaltigkeit und Tierwohl vor.




Einen Überblick über die internationalen Märkte für Milch und Milchprodukte gab Andreas Gorn von der Agrarmarktinformationsgesellschaft (AMI). Dabei wurde deutlich, welchen Einfluss die Nachfrage aus China auf den Welthandel und damit auch auf die Preisentwicklung in Deutschland hat. Das Land ist mit 15 Mio. t. Milchäquivalenten der mit Abstand größte Nachfrager mit wachsendem Bedarf vor allem im Pulverbereich. Aber auch der Konsum an Trinkmilch nimmt zu. "China bleibt ein Wachstumsmarkt trotz der Verunsicherung durch Corona", ist Gorn überzeugt. Zusätzliches Absatzpotential für europäische Milchprodukte sieht Gorn aber auch in Indien.

Grundsätzlich gebe es eine wachsende globale Nachfrage mit einem Fokus auf die europäische Herkunft der Ware. Für Unsicherheit sorgten aber eine Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums, internationale Handelskonflikte, der weltweit fortschreitende Protektionismus, die globalen Entwicklungen hinsichtlich Umwelt- und Klimapolitik und die Veränderungen bei den Konsumgewohnheiten.

Auf die ging Nielsen-Marktforscher Enrico Krien in seinem Vortrag ein. Die pflanzlichen Milchalternativen sind 2019 erneut zweistellig gewachsen auf einen Umsatz von 491 Mio. Euro (plus 22 Prozent). Allerdings bei sinkenden Preisen, denn der Absatz legte um 24 Prozent zu. Treiber sind die Getränke mit einem Absatzanteil von 81 Prozent. Brotaufstriche, Sahne- und Naturjoghurtalternativen wachsen. "Echte" Molkereiprodukte bleiben indes mit über 20 Mrd. Euro Umsatz ein wichtiger Eckpfeiler im LEH. Deutlich wird aus den Nielsen-Zahlen, dass die Wertschöpfungsstrategie der Molkereien "Marge statt Menge" in Teilen aufgeht. Veredelte Produkte wie Desserts, Getränke und Eiskaffee und Marken legen trotz Absatzrückgang beim Umsatz zu, während Basisprodukte und Handelsmarken in beiden Bereichen verlieren.

Mit welchen Konzepten das Markenwachstum gelingen kann, zeigten Matthias Rensch, COO Business Unit Marke bei Deutschlands größter Molkerei DMK, und Anne-Katrin Müller, Marktingdirektorin von FrieslandCampina Germany. Müller stellte am Beispiel der Kampagne für Chocomel dar, wie wichtig es ist, dass sich ein Molkerei-Unternehmen Prioritäten setzt, damit es im hart umkämpften Mopro-Regal Erfolg hat. Dazu müsse auch mal mit Kategoriekonventionen gebrochen werden. Rensch erklärte, wie das DMK auch durch die Renaissance der Marke Milram die Transformation "vom Rohstoffverwerter zum Wertschöpfungserschaffer" geschafft hat.

Um Unterstützung für die Sektorstrategie 2030 warb Karsten Schmal. Als Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes hat er an der Ausarbeitung des Papiers mitgewirkt. Es soll als Grundlage für die Diskussion mit Stakeholdern dienen. Sorge bereite den Milcherzeugern vor allem die Standardsetzung durch den LEH aus Wettbewerbsgründen. Langfristig erfolgreiche Standards seien aber nicht unternehmensspezifisch sondern für alle Glieder der Kette praktikabel angelegt. Und, so Schmal: "Kosten zusätzlicher Standards werden von Landwirten akzeptiert, wenn eine gesonderte Honorierung oder der gesicherte Marktzugang damit verbunden sind."

Finanzierung von Tierwohl

Wie diese Finanzierung aussehen kann, skizzierte Prof. Achim Spiller. Ohne eine teilweise Kompensation der Kosten würde die Tierhaltung aus Deutschland (partiell) verdrängt und Tierschutzziele verfehlt. Als Mitglied der sogenannten Borchert-Kommission plädiert Spiller für eine Verbrauchssteuer von 2 Cent pro Kilo Milch und Milchprodukte, um mehr Tierwohl zu finanzieren. Noch habe die Milchwirtschaft in dem Punkt in der öffentlichen Diskussion einen Zeitvorsprung, den gelte es zu nutzen. Spiller kritisierte, dass Klimaschutz in der Sektorstrategie keine Rolle spielt.

Dass sich die führenden Molkereien sehr wohl intensiv mit dem Thema beschäftigen, zeigten unter anderem die Vorträge von Arla-Manager Mark Schreuders sowie von Detlef Latka und Noura Rhemouga von Hochwald.

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