Soforthilfeprogramm Brauer appellieren an Kretschmann

von Heidrun Krost
Montag, 30. März 2020
Brauerei Eichbaum prüft, ob sie Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt.
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Brauerei Eichbaum prüft, ob sie Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt.
Soforthilfeprogramm
Brauer appellieren an Kretschmann
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Der baden-württembergische Brauerbund fordert die Nachbesserung des Soforthilfeprogramms der Landesregierung. Die Förderrichtlinien sollten nach dem Vorbild Bayerns angepasst werden, sodass auch Bierhersteller mit mehr als 50 Beschäftigten Finanzhilfen bekommen. 

Direkte Liquiditätshilfen auch für Brauereien mit mehr als 50 Beschäftigten - die Mehrheit der Bierhersteller in Baden-Württemberg. Dies fordert der baden-württembergische Brauerbund für die 210 bierherstellenden Unternehmen im Land. Die Förderrichtlinien sollten nach dem Vorbild Bayerns angepasst und auf Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern ausgeweitet werden. 

Die Covid-19-Pandemie habe existenzbedrohende Auswirkungen auf die Unternehmen, so der Verband in einem der LZ vorliegenden Schreiben an Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut und Landwirtschaftsminister Peter Hauk. Seit die Gastronomie geschlossen sowie Feste und Veranstaltungen abgesagt seien, würden der wichtigste Absatzweg, der Außerhaus-Markt, für die regionalen und mittelständischen Brauereien ausfallen. Das Gastro-Geschäft sei jedoch für die meisten Brauereien existenziell, heißt es auf Nachfrage. Manche Betriebe erzielten bis zu 90 Prozent ihres Umsatzes über die Gastronomie. 

Brandbrief an die Landesregierung

Hinzu komme, dass Brauereien in vielen Fällen Verpächter der Gaststätten seien und damit selbst unmittelbar von den Betriebsschließungen betroffen seien. Viele dieser Brauereien hätten allerdings über 50 Mitarbeiter und könnten daher aktuell nicht am Soforthilfeprogramm Baden-Württembergs teilnehmen. Demgegenüber könnten im Bundesland Bayern auch Betriebe mit bis zu 250 Mitarbeitern Soforthilfen beantragen, wie Verbandsgeschäftsführer Hans-Walter Janitz und Brauerpräsident Matthias Schürer schreiben. Sie empfehlen: "Dies sollte Baden-Württemberg zur aktiven Unterstützung seiner mittelständischen und regionalen Brauereien auch tun." Sie fürchten, dass sonst die baden-württembergischen Brauwirtschaft "abgewürgt" werde. Denn für die Mehrheit regionaler Brauereien stehe keine Hilfe zur Verfügung.

Mögliche Unterstützung für Dinkelacker und Distelhäuser

Betroffen von den derzeit noch restriktiven Vorgaben des baden-württembergischen Soforthilfeprogramms sind etwa Unternehmen wie Dinkelacker-Schwabenbräu, die Distelhäuser oder Fürstenberg Brauerei. Eichbaum, die mit Abstand größte Brauerei in Baden-Württemberg, die auch durch das Zusammenbrechen ihres Auslandsgeschäftes getroffen ist, berichtet laut regionalen Medien von mehr Abverkäufen im Handel und Getränkeabholmärkten, weil Konsumenten heimisches Bier trinken wollten. Zudem laufe das China-Geschäft allmählich wieder an. Gleichwohl prüft auch Eichbaum, ob sie Mitarbeiter in Kurzarbeit schickt. 

Die Jahresausstoß der Brauereien in Baden-Württemberg betrug im Jahr 2019 laut offizieller Bierstatistik 6,24 Mio. hl. Das Gros, etwa 75 Prozent der Unternehmen, hat einen Jahresausstoß von 50.000 hl bis 500.000 hl, 15 Prozent produzieren 15.000 hl bis 50.000 hl Bier, während nur 2,5 Prozent mit ihrer Produktionsmenge über 500.000 hl liegen. Der Rest verteilt sich auf kleine Hausbrauereien und Craft-Brauer mit weniger als 15.000 hl Bier.

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