Werbung in Corona-Zeiten Hohes C und Warsteiner werben mit Plakaten, die niemand sehen soll

von Jessica Becker, Jörg Konrad und Christian Lattmann
Donnerstag, 09. April 2020
Eines von drei Plakatmotiven, die Hohes C bis Mitte/Ende April bundesweit geschaltet hat.
C. Lattmann
Eines von drei Plakatmotiven, die Hohes C bis Mitte/Ende April bundesweit geschaltet hat.
Werbung in Corona-Zeiten
Hohes C und Warsteiner werben mit Plakaten, die niemand sehen soll
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Um die Corona-Ansteckungskurve flach zu halten, sollen die Bundesbürger möglichst zu Hause bleiben. Trotzdem setzen Hohes C und Warsteiner auf Außenwerbung und machen dabei mit ganz ähnlichen Kreativideen auf sich aufmerksam.
Nach den ersten beiden Werbetrends in Zeiten der Krise und der sozialen Distanz läuft derzeit die dritte Welle. Ging es Händlern und FMCG-Herstellern zunächst darum, den Mitarbeitern im stationären Lebensmitteleinzelhandel für ihr Engagement trotz erhöhter Corona-Erkrankungsgefahr zu danken, ging es wenig später darum, den im Home-Office arbeitenden und durch Schul- und Kita-Schließungen doppelt belasteten Familien zur Seite zu stehen.

Zwei Unternehmen, zwei ähnliche Kreativideen

Nun folgt eine weitere kreative Stoßrichtung, wie Werbungtreibende die Corona-Krise für sich nutzen wollen. Jetzt stehen diejenigen im Mittelpunkt, die trotz staatlich verordneter sozialer Enthaltsamkeit auch weiterhin das Haus verlassen - oder es sogar müssen, da sie nicht von zu Hause aus arbeiten können. Insbesondere der ersten Personengruppe geben die beiden Unternehmen eine klare Botschaft mit auf den Weg. Dabei setzen Hohes C und Warsteiner ausgerechnet auf ein Medium, das wegen des grassierenden Virus derzeit deutlich weniger Kontakte verzeichnet. Auch die Botschaft der beiden Plakatmotive und die humorvolle Art der Umsetzung ist ähnlich.

"Wir danken allen, die dieses Plakat nicht sehen" titelt der Safthersteller Eckes-Granini auf einem seiner insgesamt drei Plakatmotive für seine Marke Hohes C und fordert die Passanten dadurch indirekt auf, zu Hause zu bleiben. Das zweite Motiv wird deutlicher: "Bleibt gesund. Bleibt zu Hause. Bleibt stark". Auf dem dritten Motiv heißt es "Wir danken allen, die für andere da sind".

Geschaltet sind die Plakate bundesweit bis Ende/Mitte April. Um auch all diejenigen zu erreichen, die wirklich kaum noch das Haus verlassen, verbreitet die Saftmarke die Motive auch über ihre Social-Media-Präsenzen. 

"Ursprünglich hatten wir bereits eine Plakatkampagne geplant, die wir aber aufgrund der Corona-Krise kurzfristig geändert haben", erklärt das Unternehmen gegenüber der LZ. Man wolle sich mit dem Auftritt bei den Menschen bedanken, "die unsere Gemeinschaft am Laufen halten". Zum Beispiel, indem sie ihrer wichtigen Arbeit nachgehen, um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Aber eben auch indem sie zu Hause bleiben, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen.


Mit der gleichen Mechanik spielt Warsteiner. Der Bierbrauer mahnt auf digitalen Werbeflächen in den Innenstädten von Berlin und Düsseldorf: "Diese Werbung solltest du gar nicht sehen!" Unter dem Hashtag #wirbleibenzuhause erinnert die Brauerei außerdem an die Aktion des Bundesgesundheitsministeriums, das die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen soll. Geschaltet sind die Out-of-Home-Motive noch bis zum 11. April.

"Wir haben uns intensiv damit auseinandergesetzt, ob und wie wir in diesen Zeiten gebuchte Werbeflächen bespielen möchten oder – so wie viele andere auch – alles auf die Zeit nach dem Stillstand legen", erklärt Marcus Wendel, Marketing Director der Warsteiner Gruppe, die Idee dahinter. "Wir haben uns dazu entschieden, jetzt, zu Zeiten von Kontaktverbot und Ausgehbeschränkungen ein Zeichen für mehr Solidarität und Zusammenhalt zu setzen."

Warsteiner Plakat
Warsteiner
Warsteiner Plakat

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