Molkerei Zott: Gespür für Genusswelten
Molkerei Zott

Gespür für Genusswelten

Thomas Fedra
Geschäftsführende Direktoren von Zott sind die Unternehmerin Christine Weber sowie die Manager Anton Hammer (l.) und Hervé Massot.
Geschäftsführende Direktoren von Zott sind die Unternehmerin Christine Weber sowie die Manager Anton Hammer (l.) und Hervé Massot.
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Vom Sahnejoghurt bis zur Kindermahlzeit: Mit vielen Innovationen hat sich Zott von der kleinen Molkerei aus der Provinz zur internationalen Marke entwickelt. Der Erfolg ist untrennbar mit der Unternehmerin Christine Weber verknüpft.



Wer mit dem Zug von Augsburg nach Donauwörth fährt, dessen Blick fällt in Höhe von Mertingen unweigerlich auf eine markante Produktionshalle. In dem Werk wird seit einigen Monaten der Monte-Snack hergestellt und abgepackt, eine Schnitte mit Milch- und Schoko-Haselnuss-Creme zwischen zwei Biskuit-Böden.

Die Halle ist im gleichen braun-weißen Design gehalten wie die Produktlinie. Mit der Großinvestition wird Zott zur "backenden Molkerei", wie Christine Weber halb im Scherz sagt. "Das ist eine neue Herausforderung für uns, aber gerade dann sind wir besonders gut", betont die Zott-Chefin.

Tatsächlich ist das neue Werk ein Sinnbild dafür, wie das Molkereiunternehmen vor allem seit den 1980er-Jahren Marktchancen erkannt und bewältigt hat. Drei Marken sind seitdem untrennbar mit dem Aufstieg der Provinz-Molkerei in die nationale und internationale Branchenspitze verbunden: Zott Sahne Joghurt, Jogobella und Monte. Sie sind der Grund dafür, dass Zott heute ein starker, innovativer Markenartikler in Deutschland und Marktführer in Polen ist. Außerdem ist die Molkerei ein großer Anbieter im adriatischen Raum und bedeutender Hersteller von Handelsmarken.

Stetiges Wachstum im Ausland

Der Molkereikonzern wird in diesem Jahr voraussichtlich 960 Millionen Euro Umsatz erzielen, davon zwei Drittel mit Marken. Ähnlich hoch ist der internationale Anteil am Erlös. Im Ausland ist die Molkerei in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und dort will sie weiter zulegen. Deshalb hat das Unternehmen 2012 seine Strukturen modernisiert und die europäische Zott SE gegründet. Geschäftsführende Direktoren sind die Unternehmerin Christine Weber sowie die familienfremden Manager Anton Hammer und Hervé Massot. Die internationale Aufstellung ändert laut Weber aber nichts an der Natur des Unternehmens: "Wir sind und bleiben ein Familienbetrieb."

Gegründet wurde die Molkerei 1926 von Webers Großeltern, doch der Großvater starb früh und die Großmutter heiratete wieder: Georg Zott, den Namensgeber der Molkerei. Die nächste Generation ist mit Webers Sohn im Verwaltungsrat eingebunden. Und Christine Weber hat die Absicht, noch einige Jahre CEO zu bleiben.

Die Chefin versteht sich als Vordenkerin, als Visionärin. "Ich sehe Dinge als machbar an, die andere gar nicht andenken mögen", sagt sie. Erfolgreich in der dritten Unternehmergeneration zu sein, sei ein großes, teils schweres Erbe. Doch die temperamentvolle Gesellschafterin geht die Aufgabe resolut, mit Humor und Spaß am Erfolg an. Ein guter Ratgeber ist ihr dabei ihr Mann Albert. Die beiden sind das einzige Ehepaar, das unabhängig voneinander einen Goldenen Zuckerhut verliehen bekommen hat – er 1996 als Chef der Dehner- Gartencenter und sie nun bereits den zweiten für Zott. Den ersten erhielt sie 1986 für den Erfolg des Zott Sahne-Joghurts.

"Genussmolkerei"

Dieses Genussprodukt steht in Deutschland für das Unternehmen. Es ist die Nummer eins im deutschen Sahnejoghurt-Segment und der Grund, warum sich Zott als Genussmolkerei versteht. Allein im vergangenen Jahr wurden davon hierzulande 188,6 Millionen Becher verkauft. Dabei war das Produkt zu Beginn umstritten. 1980 setzte Christine Weber es gegen Widerstände in den eigenen Reihen durch. Der jungen Frau, damals frisch von der Uni im Unternehmen aktiv, war klar, dass Zott alles anders machen müsse als die anderen, wenn der nationale Durchbruch gelingen sollte. Mit dem innovativen Sahnejoghurt im Pokalbecher gelang ihr das.

Das Ende der DDR und damit die Öffnung des Marktes für Ware aus dem Westen war für Zott der nächste Meilenstein. "Es hat uns gezeigt, dass wir in nicht besetzten Märkten gute Chancen haben, mit Qualität, Vertrieb und Marketing zu punkten", sagt Peter Marx, Mitglied des Group Boards und bereits seit 30 Jahren für das Unternehmen tätig.

Die Erfahrungen nutzte Zott vor 20 Jahren für den Sprung nach Polen und Tschechien. Hier haben sich die Bayern gegen internationale Wettbewerber wie Danone durchgesetzt und sind mit den Marken Jogobella und Primo unangefochtener Marktführer geworden. "Wir haben eben ein Talent für Genussprodukte", bringt Marx den Erfolg auf den Punkt.

Perle im Portfolio

Geholfen hat auch eine andere Perle im Portfolio: Monte, die wichtigste internationale Marke für das Unternehmen. 1996 als Kindermahlzeit gestartet, ist Monte inzwischen eine Dessert-Marke für die ganze Familie. Sie ist in mehr als 30 Ländern zu haben, selbst in Vietnam wird eine Vanille-Version in Tausenden kleinen Straßenläden verkauft. Den langjährigen vietnamesischen Importeur und Distributor Delys hat der Hersteller gerade erst durch die neu gegründete Gesellschaft Zott Vietnam Company Limited übernommen, um schneller wachsen zu können. Das von den Fans zum 20. Geburtstag über Facebook selbst zusammengestellte Wunschprodukt Monte White war im ersten Halbjahr 2016 die beste Neueinführung unter den Molkereiprodukten in Deutschland.

Dass so etwas im hart umkämpften Mopro-Markt nicht reicht, weiß Christine Weber: "Es kommt darauf an, im schnellen Wandel mit bewährten Marken einen fundierten und langfristigen Erfolg anzustreben." Deshalb nimmt Zott bei der Nachhaltigkeit ebenso eine Vorreiterrolle ein wie beim Personal. Die Klammer dafür ist das Konzept "Caring for life". Insbesondere in den vergangenen zehn Jahren war Webers Wirken stark von ihrem persönlichen Interesse an der Gesundheit von Mensch und Tier geprägt. "Wer heute nicht an übermorgen denkt, springt zu kurz", mahnt sie.

So hat Weber frühzeitig gentechnikfreie Produkte ins Sortiment aufgenommen und zusammen mit den Milchlieferanten ambitionierte Tierschutzprogramme umgesetzt. Beim Personal will sie auf Augenhöhe mit den Weltkonzernen agieren und fördert daher Führungskräfte in einem Leadership-Development-Programm. Nach ihrem Grundverständnis gehören couragiert-kreative, mutige und mündige Mitarbeiter zu einem gesunden, wachsenden Unternehmen: "Das ist unsere gelebte Kultur."



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