Nach Brexit-Votum: Wepa baut neue Fabrik in G...
Nach Brexit-Votum

Wepa baut neue Fabrik in Großbritannien

Anhören

Merken

Wepa wächst ausgerechnet in Großbritannien: Der Klopapierhersteller investiert dort trotz des Brexits in eine neue Fabrik. Damit setzt das Familienunternehmen auf den weiteren Erfolg der Discounter.

Andere fliehen vor dem Brexit aus Großbritannien – der Tissue-Hersteller Wepa aber baut in dem Land sein 13. Werk. Für die Produktionsstätte dürfte der Klopapierhersteller einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag ausgeben.

Während Banken Tausende ihrer Mitarbeiter aus London abziehen und zahlreiche europäische Hersteller ihre Zulieferungen aus dem Königreich auf den Prüfstand stellen, sieht der Wepa-Chef im EU-Ausstieg Großbritanniens einen Anreiz für Investitionen: "Der Brexit bietet durch die steigende Inflationsrate und eine Verschlechterung der Währungsrelation Wachstumschancen für die Tissueproduktion", sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Martin Krengel, der LZ. Zudem sei durch den Brexit mit Handelszöllen und komplizierteren Abläufen bei der Einfuhr zu rechnen.


Seine neue Fabrik will Wepa in Großbritannien nach eigenen Angaben parallel zu einem bestehenden Joint-Venture aufbauen und den Vertrieb unabhängig von dem langjährigen Partner Northwood aufstellen. Das neue Werk solle "gesamteuropäische Kunden" beliefern, sagte Krengel. Dazu dürften vor allem die deutschen Discounter zählen, die in den vergangenen Jahren in Großbritannien ihre Umsätze deutlich gesteigert haben. Wepa rechnet mit einer Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte: "Wir erwarten künftig ein weiteres Wachstum der Handelsmarken in Großbritannien, nicht zuletzt dadurch, dass der Discountbereich in Zukunft wesentlich an Bedeutung gewinnen wird", sagte Krengel.

Großbritannien ist ein Importland für Hygienepapiere

Bislang ist Großbritannien ein Importland für Hygienepapiere. Anders als in Kontinentaleuropa gibt es auf der Insel noch keine Überkapazitäten in der Produktion. Zudem sind die Abgabepreise an den Handel dem Vernehmen nach höher als beispielsweise in Deutschland. Wepa beliefert den britischen Markt den eigenen Angaben zufolge derzeit teilweise aus seinem französischen Werk.

Das wird sich durch die neue Fabrik auf der Insel ändern. Die Planungen für den neuen Standort sind allerdings noch in einem frühen Stadium: Aktuell sichere sich Wepa das Grundstück und sei dabei, das Genehmigungsverfahren durchzubekommen, sagte Krengel. Insgesamt veranschlagt der Papier-Hersteller bis zur Fertigstellung des Werks rund zwei Jahre.

Papier: Europäische Produktionskapazitäten nach Herstellern

Zur Investitionshöhe oder Kapazität der Fabrik äußerte sich Wepa nicht. Die Tissue-Branche ist allerdings für ihren hohen Kapitalbedarf bekannt. Allein in den vergangenen 30 Monaten hat Wepa 200 Mio. Euro investiert. 30 Mio. Euro flossen davon 2016 in eine neue Tissue-Papiermaschine mit einer Kapazität von 32 000 t in Polen.

Fortsetzung einer rasanten Wachstumsgeschichte

Für Wepa ist die Expansion in Großbritannien die Fortsetzung einer rasanten Wachstumsgeschichte. Heute kommt das Unternehmen inklusive des britischen Gemeinschaftsunternehmens auf einen Jahresumsatz von 1,1 Mrd. Euro. 2007 waren es noch 460 Mio. Euro.

Gegenwind bekommt Wepa aber gerade von den explodierenden Rohstoffpreisen. Zellstoff hat sich zuletzt um etwa 30 Prozent verteuert und die Gewinne nach Unternehmensangaben unter Druck gesetzt. Zwar betreibe das Familienunternehmen eine konservative Politik und sichere sich als einer von wenigen Herstellern der Branche gegen solche Preisschwankungen ab, sagte Krengel.

Zellstoffpreise drücken den Gewinn

Allerdings laufen die Absicherungsgeschäfte gerade aus: 2018 schlagen die höheren Rohstoffpreise laut Krengel voll auf den Gewinn durch. Und mit einem baldigen sinken der Zellstoffpreise ist nicht zu rechnen. Nach einem leichten weiteren Kostenanstieg im kommenden Jahr erwartet der Manager erst 2019 wieder Entlastung.

Stark in Europa
Wepa hat seine Kapazitäten in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut. Zuletzt hat das Familienunternehmen seine Produktion in Polen auf 65 000 t verdoppelt. Inklusive des Joint-Ventures in Großbritannien produziert Wepa an zwölf Standorten mit einer Gesamtkapazität von 800 000 t. In Deutschland kommt Wepa an fünf Standorten auf 400 000 t.
Entsprechend hoch ist der Handlungsdruck bei Wepa wie auch den Wettbewerbern Essity und Sofidel, spürbare Preiserhöhungen durchzusetzen. "Die Abgabepreise gegenüber dem Handel müssen deutlich steigen, sonst können wir die exorbitant gestiegenen Rohstoffpreise nicht verkraften", sagte das Familienoberhaupt. Nur so könne Wepa weiter in effiziente Maschinen investieren.

Mit dem Ziel, das Familienunternehmen langfristig zu erhalten, haben die Wepa-Verantwortlichen auch die Gesellschafterstruktur umgebaut: Martin Krengel und seine Brüder Wolfgang und Jochen Krengel haben ihre gesamten Anteile gerade auf die nächste Generation übertragen, beraten die sieben neuen Eigentümer aber über einen neu eingerichteten Beirat, dessen Vorsitzender Martin Krengel ist. An der operativen Struktur der Wepa Industrieholding SE und ihres mit familienfremden Mitgliedern besetzten Aufsichtsrats ändert sich nichts.



stats