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Neujustierung

Hövelmann schaltet in Zukunftsmodus

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Das Verrechnungsgeschäft für Mehrweg-Getränke ist passé. Die vierte Generation Hövelmann stellt die Weichen für die Marken Rheinfels-Quelle und Sinalco. Den Verkauf der Getränkegruppe selbst schließt Geschäftsführer Heino Hövelmann aus.

Heino Hövelmann glaubt an den Generationenvertrag. Der 48-Jährige, seit April 2016 Mitglied der Geschäftsführung der Familienholding Mineralquellen und Getränke H. Hövelmann GmbH, will den Betrieb in Duisburg-Walsum und das Portfolio der Getränkegruppe für künftige Herausforderungen des Marktes fit machen. Dazu gehört, die bislang recht starre Mehrwegorientierung aufzuweichen. 2016 wurden noch 80 Prozent von 168 Mio. Euro Gruppenumsatz mit Mehrweggetränken erwirtschaftet. Künftig soll beides auch vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeitsorientierung der Gruppe, wie es heißt, nebeneinander weiterentwickelt werden.

Zum Frühjahr 2017 lancierte das Unternehmen für Rheinfels-Mineralquellen und für die Sinalco-Range neue kalorienarme Fruchtschorlen in Einweg-PET-Flaschen samt Display-Aktivitäten und verbreiterte so die Distribution. Bislang war es ein Unding im Hövelmann-Reich, dass Innovationen nicht zwingend als Mehrweg und Kastenware in den Handel kommen. Diese eiserne Regel bröckelt nun allmählich.

Neue duale Gebinde-Strategie

Die Einweg-Produkte brachten für die Limo und Cola-Marke Sinalco im ersten Halbjahr 2017 einen halben Prozentpunkt bei der Käuferreichweite. Mengenmäßig verbuchte die Marke ein einstelliges Plus, getrieben durch einen Anstieg des Einwegvolumens um über 50 Prozent: "Das zeigt, dass Sinalco in Einweg funktioniert", sagt Hövelmann voller Überzeugung.

Auf seiner To-do-Liste stehen neben dem Ausbau der Käuferbasis und der Produktverfügbarkeit auch ein Multi-Channel-Ansatz: So wurde etwa zuletzt das Postengeschäft mit Markendiscountern wie Netto oder Penny forciert. Bei drei Netto-Regionen sind ohnehin zwei Sinalco-Basis-Sorten in Mehrwegflaschen im Regal. Zweitplatzierungen und Displays bringen jedoch zusätzliche Impulse für die nationale Marke auf die Handelsflächen. "Das funktioniert eben nur mit Einweg", sagt Hövelmann.

Personelle Stärkung im Vertrieb

Dazu gilt es auch intern umzudenken. So werden etwa derzeit die Vertriebsmannschaften geschult und über ein neues Bonus-System Anreize geschaffen, Einweg- und Mehrweggeschäft gleichermaßen zu stärken. Und der Verkauf wird aufgestockt: Kurzfristig übernehmen derzeit zehn bislang mit Bier Hövelmann beschäftigte Vertriebsinnendienstler neue Funktionen im Vertrieb der eigenen Marken.

Die Gruppe befindet sich nicht nur an der Unternehmensspitze in einem Ablösungsprozess, auch in der Belegschaft wird es künftig einen altersbedingten Bruch geben, weil manch einer unter den Beschäftigten auf die Rente zusteuern: "Wir bauen Arbeitsplätze ab, aber sozialverträglich", bestätigt Hövelmann. Einen Einschnitt bringt die im Frühjahr bevorstehende Inbetriebnahme des künftig vollautomatisierten Hochregallagers für Voll- und Leergut auf dem Firmengelände in Duisburg-Walsum. "Wir werden insgesamt 40 Leute weniger in der Logistik haben", berichtet der kaufmännische Geschäftsführer Edmund Skorpyrla. Im Gegenzug kommen dort neue Mitarbeiter, aber in weit kleinerem Umfang.

Effizienzprogramm

Mit der Entscheidung, 40 Mio. Euro in eine vollautomatische Lagerbewirtschaftung und LKW-Beladung zu stecken, macht sich die Gruppe mittelfristig frei von dem jetzt schon latenten Personalmangel an einem der größten Logistikstandorte Europas, dem Ruhrgebiet. "Das ist in die Zukunft gedacht", sagt Hövelmann, der 2016 mit seiner Cousine Heidrun in die Leitungsfunktion aufrückte. Sie ergänzt: "Wir haben natürlich als Familienunternehmen nicht die Finanzkraft eines Konzerns und müssen deshalb die Prozesse kosteneffizienter aufstellen".

Durch die Effizienzbrille wird die Geschäftsleitung wohl auch das Portfolio von über zwei Dutzend Mineralbrunnen-Marken betrachten, ebenso wie die Effizienz einzelner Gebindetypen: "Es wird in Zukunft auch darum gehen, die Vielzahl der Produkte zu reduzieren."



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