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Interview mit Verbandschef Simon Schumacher

"Retten, was zu retten ist"

Luetke Hockenbeck Bernadette
Simon Schumacher
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Interview mit Verbandschef Simon Schumacher
"Retten, was zu retten ist"
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Ein drohendes Fiasko: Aufgrund der Durchreiseverbote für Erntehelfer aus Osteuropa kann es zu einem Engpass bei den Spargelerntehelfern kommen. Simon Schumacher, Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, kämpft um Lösungen.

Herr Schumacher, wie stellt sich für Sie momentan die Aussicht auf die Ernte dar, welche Probleme gibt es mit Erntehelfern?

Unsere erste Priorität wäre, dass die Transitländer Ungarn und Österreich die Grenzen offen lassen für die Erntehelfer aus Rumänien. Ungarn hat sie jetzt auch zugemacht, am Montag auch Serbien. Die Ukraine und Polen sind auch dicht.

Sind die üblichen Mitarbeiter aus Osteuropa wenigstens teilweise schon da, wie kann Ersatz aussehen?

Einige sind schon da, einige Polen sind aber auch schon abgereist, aus Furcht, nicht mehr zurückzukommen. Die fehlen uns zusätzlich. Viele Polen kamen nicht aus Angst, die Rumänen wollten aber kommen. Am Montagmittag ging es noch, jetzt nicht mehr. Da macht sich Panik breit.

Wie viele Erntehelfer gibt es in der Saison normalerweise?

Nur für Spargel und Erdbeeren sind das 160- 180.000 Menschen.

Womit rechnen Sie nun?

Würde Ungarn von der harten Haltung abweichen und zumindest den Transit zulassen, die Leute nur durchfahren lassen, dann wäre es einigermaßen machbar, den größten Teil der Ernte rein zu holen. Aber es müsste heute losgehen. Wenn das nicht passiert, bekommen wir eine starke Unterversorgung.

In bestimmten Branchen werden jetzt Corona-bedingt Arbeitskräfte frei. Könnten Sie auch Mitarbeiter aus Gastronomie oder sonstigen Branchen einsetzen?

Wir sind immer offen für kreative Gedanken, aber in diesem Feld ist das schwierig. Das ist eine harte Arbeit. Wer den Mindestlohn erwirtschaften will, muss 12 kg pro Stunde Spargel stechen, das werden viele nicht schaffen. Natürlich nehmen wir jeden, der bereit ist zu helfen. Schüler könnten helfen, die Tunnel zu lüften. Die eigentliche Ernte müssen Profis machen.

Und die Logistik an den Handel oder der Direktverkauf?

Fahrer, Verkauf, das könnten wir vielleicht aus dem Inland besetzen. Sortieren, waschen aufbereiten findet in engen Verhältnissen statt. Aber die Rumänen dürften auch keinen Kontakt zu Deutschen haben. Erst mal müssen wir die Leute bekommen, dann müssen wir sie abschotten, damit keiner krank wird. Und dann drohen Betriebssperrungen.

Technisch gibt es auch keine Lösungen?

Vollernter sind derzeit kaum eine Lösung. Es gab nur wenige und die haben sich nicht bewährt, sie sind kaum funktionstüchtig, Roboter leisten auch noch nichts. Wir müssen retten was zu retten ist.

Droht ein wirtschaftliches Fiasko?

Das ist möglich. Da kommen auch die Rufe nach Entschädigung, weil wir die verlorenen Umsätze nie nachholen können. Obwohl wir Superleistung auf den Rasen bringen, kriegen wir nicht das Geld der Fußballer. Sehr viel Hoffnung habe ich nicht. Wir versuchen auf allen Ebenen zu kämpfen.



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