Umstrukturierung: Homann lagert Zentralbereic...
Umstrukturierung

Homann lagert Zentralbereiche aus

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Bei Homann wächst die Unruhe. Nachdem der Umzug der gesamten Produktion beschlossene Sache ist, rotiert das Unternehmen, um Engpässe zu vermeiden.

Rund zwei Jahre vor dem Umzug nach Leppersdorf in Sachsen stehen bei Homann die Zeichen auf Sturm. Der Feinkosttochter der Unternehmensgruppe Theo Müller (UTM) droht ein massiver personeller Aderlass auf allen Ebenen. Um zumindest in Zentralbereichen Fach- und Führungskräfte halten zu können, ist Homann laut Insidern aktuell dabei, Marketing und Vertrieb für die Marke in die vermeintlich attraktivere Wirtschaftsmetropole Düsseldorf auszulagern. Entsprechende Stellenanzeigen sind bereits geschaltet. Unklar ist, ob weitere Bereiche folgen werden.

Fakt ist: Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen. Die Gründung einer Homann Service GmbH mit Sitz Düsseldorf ist kürzlich beim dortigen Amtsgericht eingetragen worden. Geschäftsgegenstand ist die Erbringung von Dienstleistungen für UTM-Gesellschaften – und zwar nicht nur im Marketing und Vertrieb, sondern auch in den Bereichen Finanzen, IT, HR, Recht und einige mehr. Was genau dahinter steckt, will die UTM auf LZ-Anfrage indes nicht beantworten. Ebenso lehnt es der Konzern ab, zur weiteren Situation bei seiner Feinkosttochter Stellung zu beziehen.

Brancheninsider berichten, dass Homann allen Umstrukturierungen zum Trotz im operativen Geschäft derzeit kräftig aufs Tempo drückt und dank einer "aggressiven Preispolitik viele Listungen" gewinne. Einige Marktbeobachter stellen aber in Frage, ob alle Aufträge erledigt werden können.

Nach LZ-Informationen haben allein am Hauptsitz in Dissen bereits fast 100 Mitarbeiter gekündigt. Vor dem Umzugsbeschluss waren hier 1 000 der 1 550 Homänner beschäftigt. Mit befristeten Kräften und Leiharbeitern könne man den Schwund aktuell zwar noch "weitgehend kompensieren", ist zu hören. In Bad Essen mit ursprünglich 200 Mitarbeitern seien die Probleme aber "deutlich größer". Die Werke Floh-Seligenthal und Bottrop seien derweil "noch relativ stabil". Doch Arbeitnehmerkreise schätzen, dass am Ende nur "maximal 150 bis 200 Beschäftigte" mit nach Sachsen ziehen werden. Dort plant die Firma, so wird im Markt kolportiert, dank einer höheren Automatisierung, ohnehin mit nur noch 800 bis 1 000 Mitarbeitern an den Start zu gehen.

Marktforschung sieht steigenden Druck

Damit es aber nicht frühzeitig zum Exodus kommt und die Produktion an den aktuellen Standorten bis zu deren Schließung Anfang 2020 aufrechterhalten werden kann, zahlt Homann den Beschäftigten laut Insidern monatliche Halteprämien. Möglichen Startproblemen in Leppersdorf wiederum will man demnach begegnen, indem dort bereits ein halbes Jahr vor Stilllegung der anderen Werke der Betrieb beginnen soll. Experten halten das für erforderlich. "Bis eine neue Feinkostfabrik mit neuen Maschinen und neuen Mitarbeitern rund läuft, braucht es Zeit", so ein Fachmann.

Dass die Konkurrenz nur darauf lauert, aus Schwächen Kapital zu schlagen, ist ein offenes Geheimnis. GfK, IRI und Nielsen notieren für Homann mit seinen Marken im Kerngeschäft Feinkostsalate im deutschen LEH seit Jahren Umsatzrückgänge. Die Kategorie, die stark Handelsmarken-geprägt ist und für einen Endverbraucherumsatz von gut 880 Mio. Euro steht, wächst dagegen leicht. Und: Der Wettbewerb holt auf.



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