Zukauf: Nestlé vergrößert die Gesundheitsspar...
Zukauf

Nestlé vergrößert die Gesundheitssparte

CFG/Agentur Baganz
Nestlé-Chef Mark Schneider hält sein wichtigstes Versprechen. Der Manager macht den Nahrungsriesen ein bedeutendes Stück mehr zum Gesundheitskonzern.
Nestlé-Chef Mark Schneider hält sein wichtigstes Versprechen. Der Manager macht den Nahrungsriesen ein bedeutendes Stück mehr zum Gesundheitskonzern.
Anhören

Merken

Nestlé setzt seine Gesundheitsstrategie um: Der Konzern kauft einen kanadischen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln. Auch in Deutschland will der Lebensmittelhersteller Unternehmen akquirieren, die für gesunde oder natürliche Produkte stehen.

Nestlé-Chef Mark Schneider hält sein wichtigstes Versprechen. Der Manager macht den Nahrungsriesen ein bedeutendes Stück mehr zum Gesundheitskonzern: Nestlé kündigte am Dienstag die Übernahme des kanadischen Nahrungsergänzungsmittel-Herstellers Atrium Innovations an. Für das Unternehmen mit rund 700 Mio. USD Jahresumsatz und etwa 1 400 Mitarbeitern zahlt der Schweizer Konzern 2,3 Mrd. USD.

Die Produkte von Atrium sollen gewissermaßen doppelt gesund sein. Der Hersteller mit Sitz in Quebec verkauft nach eigenen Angaben vor allem in den USA Ergänzungsmittel, die etwa Vitamine oder Proteine enthalten und zugleich rein biologisch sowie ohne Gentechnik hergestellt sind. Allein die Pillen, Pulver und Riegel der Marke Garden of Life verkauft Atrium laut Nestlé in 14 000 US-amerikanischen Naturkostläden. Das Unternehmen habe "das Potenzial für weiteres starkes Wachstum".

Schneider demonstriert Entschlossenheit

Atrium passt deshalb in die Strategie von Nestlé-Chef Schneider. Der frühere Vorstandsvorsitzende des deutschen Gesundheitskonzerns Fresenius hat Investoren erst im September zum wiederholten Mal zugesagt, den weltgrößten Lebensmittelkonzern gesünder zu machen: Nestlé soll besonders stark im Geschäft mit Wellness-Artikeln und frei verkäuflichen Arzneien, sogenannten OTC-Produkten, wachsen. Das Vorhaben ist nicht völlig neu. Schon Schneiders Vorgänger Paul Bulcke und der frühere Verwaltungsratschef Peter Brabeck-Letmathe propagierten die Strategie. Schneider aber demonstriert Entschlossenheit zu einem tiefgreifenden Umbau: Im Juni, keine sechs Monate nach seinem Amtsantritt, kündigte der Deutsche an, den Ausstieg aus dem amerikanischen Süßwarengeschäft zu prüfen.

Schneider muss kaum Widerspruch fürchten – denn die Strategie lässt sich mit Zahlen begründen. Das Gesundheitsgeschäft verspricht Marge: Im vergangenen Jahr blieben Nestlé in der entsprechenden Konzernsparte 18,5 Prozent vom Umsatz als operativer Gewinn. Der Unternehmensteil wächst bislang zwar unterdurchschnittlich – in den ersten neun Monaten dieses Jahres organisch um 2,3 Prozent. Unternehmen wie Atrium aber könnten das ändern, zumal nicht nur Nestlé damit rechnet, dass sich in alternden Gesellschaften immer mehr Menschen von rezeptfreien Kapseln, Brausetabletten und Ähnlichem längere Gesundheit versprechen.

Beginn einer neuen Akquiseoffensive

Schneider warnt gleichwohl davor, die Bedeutung des Zukunftsgeschäfts Gesundheit zu überschätzen. Die Konzernverantwortlichen ließen jüngst auch vor Investoren keinen Zweifel daran, dass Ernährung und Getränke im Kern des Konzerns bleiben. Doch selbst im hochprofitablen Geschäft mit Tiernahrung ist für Nestlé inzwischen vor allem gut, was betont natürlich und gesund ist: Der Konzern hat Anfang des Jahres den deutschen Futter-Anbieter Terra Canis mehrheitlich übernommen. Das Start-up wirbt mit "100 Prozent Natur" und "100 Prozent Lebensmittelqualität aller Rohstoffe".

Die Übernahme markiert offenkundig auch den Beginn einer Akquisitionsoffensive in Deutschland. In den Frankfurter Büros des Konzerns soll Hubert Stücke, der bisherige Finanzvorstand der deutschen Nestlé-Tochter, die Zukäufe steuern – nur so ist zu verstehen, dass er das neu geschaffene Vorstandsressort Geschäfts- und Unternehmensentwicklung übernimmt. Nach LZ-Informationen sind in Deutschland selbst Übernahmen in völlig anderen Dimensionen als der von Terra Canis zu erwarten. In Finanzkreisen gilt denn auch als sicher, dass Nestlé ein Kaufangebot für die OTC-Sparte des Darmstädter Merck-Konzerns vorbereitet – wenngleich es Nestlé-Sprecher ablehnen, das zu kommentieren.

Schneiders Gesundheitsversprechen an die Investoren ist letztlich ein Renditeversprechen. Der Unternehmenschef will die bereinigte operative Marge bis 2020 von 16 auf mindestens 17,5 Prozent steigern. Größe ist für ihn deshalb Pflicht: Der Nestlé-Konzern, der an der Börse mehr wert ist als Volkswagen, Daimler und BMW zusammen, lässt sich nur mit Milliarden-Zukäufen spürbar wandeln.



stats