Corona-Krise Arbeitgeber wollen Tariferhöhung aufschieben

von Hanno Bender
Dienstag, 31. März 2020
Verdi sieht keine Notwendigkeit für eine pauschale Aufschiebung der Gehaltserhöhungen.
Vege/Stock.adobe.com
Verdi sieht keine Notwendigkeit für eine pauschale Aufschiebung der Gehaltserhöhungen.
Corona-Krise
Arbeitgeber wollen Tariferhöhung aufschieben
:
:
Info
Abonnenten von LZ Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.
Der Handelsverband HDE fordert ein "tarifliches Rettungspaket" von der Gewerkschaft Verdi. In Not geratene Unternehmen sollen die anstehende Tariferhöhung bis zum Jahreswechsel aussetzen können. Verdi weist auf eine andere Lösungsmöglichkeit hin.

Weil viele Non-Food-Händler durch die Geschäftsschließungen in Liquiditätsnot geraten, fordert der Arbeitgeberverband HDE einen "Arbeitsplatz-Rettungs- und Unternehmens-Nothilfe-Tarifvertrag" von der Gewerkschaft Verdi. Handelsunternehmen sollen die je nach Tarifbezirk im April und Mai anstehende Erhöhung der Löhne und Gehälter um 1,8 Prozent bis maximal zum Jahresende verschieben können, wenn dies dazu dient, die Existenz des Unternehmens und die Arbeitsplätze zu retten. So lautet der Vorschlag der Arbeitgeberseite.

"Wenn die Umstände es erlauben, könnte das so zeitweise eingesparte Geld auch für die am stärksten betroffenen Arbeitnehmergruppen im eigenen Unternehmen eingesetzt werden", heißt es in einer Erklärung des Verbandes.

Verdi lehnt Vertragsänderung ab

Die Gewerkschaft Verdi lehnt eine solche Änderung des Tarifabschlusses von 2019 jedoch strikt ab. Sie sieht keine Notwendigkeit für eine pauschale Aufschiebung der Gehaltserhöhungen. "Verdi hat in den letzten Jahren viele Unternehmen vor der Insolvenz bewahrt und damit Arbeitsplätze gerettet. Das geeignete Mittel dafür ist der Sanierungsvertrag", betont ein Verdi-Sprecher Günter Isemeyer gegenüber der LZ. "Auch in der Krise ist der Einzelfall maßgebend. Persilscheine, vereinbarte Tariferhöhungen zurückzuhalten, stellen wir keinem Unternehmerverband aus."

Auch die von den Arbeitsgebern ins Gespräch gebrachte Aufstockung des Kurzarbeitergeldes (KuG) durch die anstehende Erhöhung lehnen die Arbeitnehmervertreter ab. "Das hieße für die Beschäftigten, die Aufstockung selbst zu bezahlen. Das ist kein sonderlich seriöser Vorschlag", so Isemeyer.  ​

Keine Gespräche über KuG-Aufstockung

Im Vorfeld hatte die Gewerkschaft die Arbeitgeber zu einer tariflichen Lösung zur Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 90 Prozent aufgerufen. Gespräche zu einem Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen scheiterten jedoch. "Sich selbst unter den Schirm des Staates zu stellen und seine Beschäftigten im Regen stehen zu lassen, ist kein verantwortungsvoller Umgang mit der Krise", kritisierte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger das Scheitern der Gespräche. In der ebenfalls von Schließungen betroffenen Systemgastronomie konnte die Gewerkschaft NGG vergangene Woche eine tarifliche Aufstockung auf 90 Prozent mit den Arbeitgebern vereinbaren. Die Textilfilialisten Primark und H&M stocken das KuG ebenfalls auf 90 Prozent auf. Der Augenoptiker Fielmann und der Versandhändler Walbusch sogar auf 100 Prozent.

Der Tarifpolitische Ausschuss des HDE hat dagegen beschlossen, auf Bundesebene keine Gespräche zu verbindlichen Arbeitgeberzuschüssen beim Kurzarbeitergeld aufzunehmen. Eine "Null-Zuschuss-Lösung" müsse für in Bedrängnis geratene Unternehmen unbedingt möglich bleiben, betont HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Andernfalls könnten die Zuschüsse bei tarifgebundenen Arbeitgebern zum Brandbeschleuniger einer drohenden Zahlungsunfähigkeit werden.

Im Einzelhandel könne einmal verlorengegangener Umsatz – anders als im produzierenden Gewerbe - nicht mehr wieder eingeholt werden. Daher sei die finanzielle Ausgangslage deutlich kritischer als in vielen anderen Branchen, betont Genth.

Coronavirus (Symbolbild)
imago images / ZUMA Press

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats