Corona-Krise HDE warnt vor Pleitewelle

von Jessica Becker und Marco Kitzmann
Mittwoch, 25. März 2020
HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth: "Unter den gegebenen Umständen halten viele Einzelhändler nicht länger als vier Wochen aus."
imago images / Reiner Zensen
HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth: "Unter den gegebenen Umständen halten viele Einzelhändler nicht länger als vier Wochen aus."
Corona-Krise
HDE warnt vor Pleitewelle
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Der HDE fordert schnelle Nachbesserungen bei den Corona-Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung. Der Verband warnt: Die Hilfe könnte ansonsten für viele Händler zu spät kommen. Zusammen mit anderen Verbänden hat der HDE einen Forderungskatalog formuliert.

Am Mittwoch hat der Bundestag den Nachtragshaushalt zur Finanzierung des vom Kabinett beschlossenen milliardenschweren Hilfspakets für Unternehmen und Selbständige verabschiedet. Dieses umfasst beispielsweise Sonderkredite und erweiterte Regelungen zur Kurzarbeit.

Doch der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt: "Wir sehen die Gefahr, dass die Kreditbewilligung durch die Banken zu lange dauert", erklärt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Volkswagen und Audi Partnerverband (VAPV). Entscheidend sei aber, dass Hilfen auch kurzfristig bei den betroffenen Unternehmen ankommen, so Genth: "Hier zählt jeder Tag."

„Unter den gegebenen Umständen halten viele Einzelhändler nicht länger als vier Wochen aus.“
HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth

Die Regierung müsse daher bei dem Hilfspaket erheblich nachbessern. Ansonsten drohe eine Pleitewelle in den deutschen Innenstädten, unter anderem bei alteingesessenen Schuh- und Bekleidungsfilialisten. Genth: "Unter den gegebenen Umständen halten viele Einzelhändler nicht länger als vier Wochen aus."

Hinzu komme: Etwa ein Sechstel der Händler seien mittelgroße Unternehmen, die nicht vom Soforthilfeprogramm der Bundesregierung profitierten. "Sie laufen Gefahr, zwischen den einzelnen Förderprogrammen der Bundesregierung durchzufallen", betonte Genth. Er fordert Soforthilfen vom Staat für solche Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern ebenfalls in Form von Direktzuschüssen. Sein Vorschlag: Mietkosten in deutschen Innenstädten müssten bezuschusst werden. Darüber hinaus müssten Bund und Länder bereits jetzt einen bundesweit einheitlichen und verlässlichen Fahrplan "für die Zeit danach" entwerfen. 

HDE und VAPV erklärten weiterhin, dass die Kreditbeantragung von Unternehmen bei ihrer Hausbank erleichtert werden müsse. Die Förderbank KfW solle für 100 Prozent des Ausfallrisikos bürgen, aktuell seien aber nur 90 Prozent vorgesehen. Den Rest müsse die Hausbank tragen. Das würde laut den Verbänden eine eigene Bonitätsprüfung durch die Hausbank mit sich ziehen. "Das dauert viel zu lange und die Hilfe kommt für viele Händler zu spät", so Genth.

Handelsverbände stellen Forderungskatalog auf

Darüber hat der HDE gemeinsam mit weiteren Verbänden und Handelsorganisationen einen konkreten Forderungskatalog aufgestellt, der von der Bundesregierung pragmatische, finanzielle Mittel für die vom Lockdown betroffenen Unternehmen im Handel einfordert. Das von HDE, bevh, dem Bundeswirtschaftssenat des BVMW, IFH Köln und dem Kompetenzzentrum Handel beschlossene Papier formuliert acht Forderungen an Regierung und Wirtschaftspolitik:

  1. Die Hilfsprogramme müssen für alle kleinen und mittelständischen Handelsunternehmen gelten.
  2. Auf den Nachweis der positiven Fortführungsprognose wird verzichtet.
  3. Es wird Unterstützung in Form von Betriebsmittelkrediten gewährt. Berechnungsgrundlage über die Höhe der Kredite sind die Ausgaben für Betriebsmittel, die in den letzten sechs Monaten aufgewendet wurden (Mieten, Personal, Werbekosten, IT, etc.) sowie die offenen Posten aus dem Wareneinkauf (Lieferungen und Leistungen). Als Nachweis dient pragmatisch der BWA und die Summen- und Saldenliste.
  4. Das Betriebsmitteldarlehen wird drei Jahre tilgungsfrei gewährt, damit die Unternehmen nach der Krise die Chance haben, Liquidität aufzubauen, wieder Gewinne zu erwirtschaften und kapitaldienstfähig zu bleiben.
  5. Das Betriebsmitteldarlehen wird zu einem effektiven Zinssatz von Null Prozent und ohne weitere Gebühren oder Aufschläge - auch nicht seitens der begleitenden Hausbanken - gewährt.
  6. Die Rückführung der Kredite ist variabel. Die Unternehmen dürfen selbst entscheiden, wann und in welcher Höhe sie zurückführen. Endfälligkeit ist nach fünf bis sieben Jahren.
  7. Gesamtlaufzeit beträgt maximal acht Jahre.
  8. Die 90-prozentige Haftungsfreistellung gilt nicht nur für Banken sondern auch für Unternehmen.

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