Coronavirus Klöckner und Scheuer nehmen Lieferkette in den Blick

von Gerrit-Milena Falker
Donnerstag, 26. März 2020
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Kloeckner
imago images / photothek
Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Kloeckner
Coronavirus
Klöckner und Scheuer nehmen Lieferkette in den Blick
:
:
Info
Abonnenten von LZ Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.
Agrarministerin Julia Klöckner sieht die Ernährungsbranche in einer "sehr angespannten" Lage. Mit der Kampagne "Kauf nur, was du brauchst" will sie Hamsterkäufen entgegenwirken. Verkehrsminister Andreas  Scheuer bereitet einen "Gütertransportpakt" vor, um eine stabile Warenversorgung sicherzustellen.

In der Corona-Krise haben Teile der Ernährungsbranche nach den Worten von Agrarministerin Julia Klöckner mit fehlendem Personal zu kämpfen. Die Situation sei teils "sehr angespannt", sagte die CDU-Politikerin am Donnerstag in Berlin und nannte konkret Schlacht- und Zerlegebetriebe sowie Molkereien. Es fehlten Berufspendler aus Polen und Tschechien sowie Mitarbeiter, die Kinder zu Hause betreuen müssten oder krank seien.

Klöckner bekräftigte, dass Hamsterkäufe nicht notwendig seien. Es gebe keinen Grund, Lebensmittel zu horten, die "wenn man zu viel gekauft hat vom Aufbewahrungsschrank in die Tonne wandern", sagte Klöckner. Ihr Ministerium hat in Sozialen Netzwerken die Kampagne "Kauf nur, was du brauchst" gestartet, für die Promis wie Sänger Max Giesinger und Sängerin Stefanie Hertel werben. "Es wird sicherlich bei den ein oder anderen Waren mal Engpässe geben, aber bei den Grundnahrungsmitteln sind wir wirklich sehr gut aufgestellt."

Im Übrigen gebe es erste Verschiebungen bei den Hamsterkäufen, etwa bei Teigwaren: So lag das Absatzplus vorvergangene Woche im Vergleich zum Zeitraum August 2019 bis Januar 2020 bei 140 Prozent, vergangene Woche schon nur noch bei 117 Prozent. Dabei bezog sich die Ministerin offenbar auf Zahlen, die das Statistische Bundesamt am Mittwoch vorgelegt hatte.

Mit Blick auf fehlende Saisonarbeitskräfte sagte Klöckner, im März würden etwa 30.000 zusätzliche Arbeitskräfte gebraucht, im Mai sogar 80.000. Die neue Plattform, über die Arbeitssuchende und Landwirte zusammengebracht würden, sei bereits erfolgreich. Innenminister Horst Seehofer (CSU) prüfe, ob Asylbewerber ohne Arbeitsverbot aushelfen könnten. Für Studenten, Menschen in Kurzarbeit und andere Gruppen seien Zuverdienst-Regelungen gelockert worden.

Auf die Frage, wann Deutschland den "Exit" wage, also zurück zum Alltag kehren könne, entgegnete die Ministerin: "Das ist keine Frage des Zeitpunkt oder des Gefühls, sondern der Fakten." Jetzt sei nicht der richtige Zeitpunkt, um über ein solches Datum zu spekulieren.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) erklärte bei der gemeinsam mit Klöckner ausgerichteten Pressekonferenz, wie er mit einem "Gütertransportpakt" eine stabile Warenversorgung in Zeiten von Corona sicherstellen will. Er sei dazu im Gespräch mit den Ländern sowie Fachverbänden. Er machte deutlich, es gehe um flexiblere und passgenaue Regelungen, wie etwa die bereits erfolgte Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lastwagen, die bestimmte Waren wie etwa Lebensmittel oder medizinische Produkte transportieren. Auch nannte er gesonderte Spuren für den Güteverkehr. Der Warenverkehr müsse über Grenzen hinweg gewährleistet werden. In den vergangenen Tagen hatte es etwa lange Staus an der deutsch-polnischen Grenze gegeben.

Schließlich unterstrich Scheuer, er werde "es nicht mehr akzeptieren", dass einige Logistikzentren die Lkw-Fahrer schlecht behandeln. Außerdem müssten Versorgung und Verpflegung an den Raststätten stimmen, insbesondere die hygienischen Bedingungen. "Die Fahrer müssen eine gewisse Aufenthaltsqualität haben", forderte der CSU-Minister.

Schlagworte zu diesem Artikel:

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats