Flexibles Arbeiten hat Grenzen

von Redaktion LZ
Freitag, 15. Februar 2013
LZnet. Moderne Kommunikationstechnologie macht die ständige Erreichbarkeit von Mitarbeitern einfach. Unternehmen, die verstärkt auf Flexibilisierung setzen, sollten die Grenzen und Möglichkeiten des Arbeitszeitgesetzes beachten.

Die Höchstarbeitszeiten pro Tag und Woche werden im Arbeitszeitgesetz ebenso geregelt, wie Ruhepausen und Sonntagsarbeit. Bei festen Arbeitszeiten ist es in den meisten Betrieben unploblematisch, darauf zu achten, dass nicht mehr als sechs Stunden am Stück und nicht mehr als zehn Stunden am Tag gearbeitet wird. Auch die vorgeschriebene Ruhezeit von elf Stunden nach Beendigung der Arbeit, findet sich in normalen Dienstplänen wieder.

Allerdings beginnt die Berechnung dieser elf Stunden von vorne, wenn ein Mitarbeiter innerhalb der Ruhephase einen kurzen Arbeitseinsatz hat – beispielsweise ein zehnminütiges Telefonat. "Es ist eine arbeitszeitrechtliche Herausforderung, mit der Entgrenzung von Arbeitszeit und Freizeit richtig und rechtmäßig umzugehen", stellt Thomas Hey, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Clifford Chance, fest. In einem aktuellen Whitepaper zeigt er auf, was Arbeitgeber beachten müssen.

So können Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge vom Gesetz abweichende Regelungen ermöglichen. Um der Gefahr der Unterbrechung der Ruhezeit durch kurze Arbeitseinsätze zu begegnen, böte sich eine Regel zur Verkürzung der Ruhezeit bei Rufbereitschaft auf sechs Stunden an.

Auch eine generelle Verkürzung der täglichen Ruhezeit auf neun Stunden wäre möglich, wenn die Art der Arbeit es erfordert und ein Ausgleichszeitraum festgelegt wird. Grundsätzlich sollten klar definierte Modelle wie etwa Arbeitszeitkonten oder Vertrauensarbeitszeit festgeschrieben werden, empfiehlt Hey.

Schriftliche Klarstellung beugt Konflikten vor

Eine ständige Erreichbarkeit könne ein Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern auch im Zeitalter von Smartphone und Co. ausschließlich während der regulären Dienstzeit anordnen – nicht aber während der Freizeit. Ist die Arbeitszeit allerdings nicht festgeschrieben, ist eine entsprechende Vereinbarung möglich. Um Missverständnissen entgegen zu wirken sollten Arbeitgeber ihre Mitarbeiter bitten, das Dienst-Handy außerhalb der abgesprochenen Zeiten auszuschalten.

Hey weist darauf hin, dass während des Urlaubs grundsätzlich keine Verpflichtung des Arbeitnehmers zu arbeiten besteht. Deshalb hat dieser selbst nach einem kurzen Arbeitseinsatz von wenigen Minuten Anspruch auf einen ganzen Urlaubstag als Ersatz.

Dies gelte allerdings nur, wenn der Mitarbeiter zur Arbeit aufgefordert wurde. Eine schriftliche Klarstellung, dass Arbeitnehmer im Urlaub nicht arbeiten sollen, sei hilfreich, wenn nachgewiesen werden muss, dass ein solcher Einsatz vom Unternehmen nicht gewünscht wird.

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