Lockerung der Corona-Auflagen Kleinere Geschäfte dürfen wieder öffnen

von Marco Kitzmann
Mittwoch, 15. April 2020
Bundeskanzlerin Angela Merkel informiert nach einer Videokonferenz der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten über die neuen Beschlüsse in der Corona-Pandemie.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel informiert nach einer Videokonferenz der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten über die neuen Beschlüsse in der Corona-Pandemie.
Lockerung der Corona-Auflagen
Kleinere Geschäfte dürfen wieder öffnen
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Geschäfte des Einzelhandels bis zu einer Fläche von 800 Quadratmetern sollen nach dem heutigen Beschluss von Bund und Ländern wieder öffnen dürfen. Voraussetzung seien allerdings gute Konzepte, um Hygiene und Sicherheitsabstände zu gewährleisten. Keine Lockerung gibt es hingegen für die Gastronomie.

Bund und Länder wollen die Auflagen in der Corona-Pandemie nur vorsichtig lockern: Für den Einzelhandel bedeutet das, dass zunächst nur Geschäfte des Einzelhandels bis zu einer Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen. Das erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwochabend auf einer Pressekonferenz im Anschluss an eine Schalte mit den Ministerpräsidenten der Länder. 

Voraussetzung sei, dass die Geschäfte die Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen umsetzen. Die seit Wochen geltenden harten Kontaktbeschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus sollen dagegen grundsätzlich bis 3. Mai verlängert werden. Auch Kfz-Händler, Fahrradhändler und Buchhandlungen sollen unabhängig von ihrer Verkaufsfläche wieder öffnen dürfen, heißt es in dem Beschluss der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder.

Gastronomiebetriebe in Deutschland sollen dagegen vorerst weiter geschlossen bleiben. Davon ausgenommen ist die Lieferung und Abholung von Speisen für den Verzehr zu Hause. Merkel verteidigte die Entscheidung. Es gelte weiterhin, dass man außerhalb des eigenen Haushaltes nur mit einer Person zusammentreffen dürfe. In Gaststätten seien solche Beschränkungen oder Mindestabstände zu anderen Personen überhaupt nicht zu kontrollieren. Man müsse jetzt zuerst einmal schauen, wie sich die jetzt beschlossenen zurückhaltenden Schritte auswirkten, argumentierte die Kanzlerin. Das sei erst in 14 Tagen, drei Wochen zu sehen. Danach müsse man über weitere Schritte nachdenken.

Corona Geschäft
imago images / HMB-Media

Kik und Tedi wollen schon nächste Woche wieder öffnen

Die Discounter Kik und Tedi sowie die Modekette Gerry Weber haben die Entscheidung der Bundesregierung und der Länder begrüßt, grünes Licht für die Öffnung kleinerer Läden zu geben. Kik und Tedi kündigten am Mittwoch an, bereits Anfang nächster Woche wieder alle Läden bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern öffnen zu wollen. Filialen und Mitarbeiter seien auf damit verbundene verschärfte Hygieneauflagen bestens vorbereitet, hieß es bei beiden Unternehmen.

Die Entscheidung von Bund und Ländern, zunächst nur Geschäfte bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern wieder zu öffnen, stößt im Handel auf scharfe Kritik. Dieser Schritt führe zu "Wettbewerbsverzerrungen und Rechtsunsicherheiten", klagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Mittwoch. Es gebe aus Sicht des Handels kein Sachargument für eine stufenweise Öffnung der Läden in der Corona-Krise. Abstands- und Hygieneregeln könnten sowohl in kleinen als auch in großen Geschäften eingehalten werden.


Der Handelsverband Textil (BTE) sprach von einer "willkürlichen Einteilung", die große Geschäfte benachteilige. Für große Modehäuser und für die ohnehin angeschlagenen Warenhäuser sei die Entscheidung von Bundesregierung und Ländern besonders problematisch, weil sie nicht öffnen dürften, während kleinere Wettbewerber bereits wieder um Kunden werben könnten. "Eigentlich müssten Unternehmen, die nicht öffnen dürfen, Kompensationszahlungen erhalten", sagte BTE-Sprecher Axel Augustin.

Nach seiner Einschätzung werden aber auch die kleineren Geschäfte unter der Entscheidung der Politik leiden. Denn die größeren Geschäfte seien die Kundenmagneten, die erst für die notwendige Belebung in der Innenstadt sorgten.

Der BTE-Sprecher verlangte, spätestens von Anfang Mai an grünes Licht für die Öffnung aller Geschäfte zu geben. "Noch zwei Wochen geschlossen bleiben zu müssen, ist bitter. Aber die meisten Geschäfte werden das noch überleben, allerdings nicht alle", sagte Augustin. (mit dpa)

Coronavirus (Symbolbild)
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