Rückkehr in den Händler-Alltag Experten befürworten realistischen Zeitplan

Dienstag, 14. April 2020
Shutdown in Stuttgart: Viele Händler fiebern möglichen Lockerungen entgegen, die am Mittwoch diskutiert werden sollen.
imago images / Arnulf Hettrich
Shutdown in Stuttgart: Viele Händler fiebern möglichen Lockerungen entgegen, die am Mittwoch diskutiert werden sollen.
Rückkehr in den Händler-Alltag
Experten befürworten realistischen Zeitplan
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Am Mittwoch berät die Regierung über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Experten raten, Lockerungen schrittweise anzugehen. Die Immobilienbranche will, dass möglichst viele Händler öffnen. Bei der Bevölkerung überwiegt derweil die Vorsicht, wie eine Umfrage zeigt.
In der Corona-Krise stehen diese Woche erste Entscheidungen über eine Lockerung der strengen Regeln an. Am Mittwoch berät Bundeskanzlerin Angela Merkel darüber mit den Ministerpräsidenten der Länder. Die nationale Wissenschafts-Akademie Leopoldina plädierte am Montag für einen "realistischen" Zeitplan zurück zur Normalität.

Die Zahl der Neuinfektionen müsse sich auf niedrigem Niveau stabilisieren. Kliniken bräuchten genug Reserve. Schutzmaßnahmen wie Hygiene, Abstandsregeln und auch das Tragen von Schutzmasken müssten eingehalten werden. Dann könnten Einzelhandel und Gastgewerbe wieder öffnen. Für den öffentlichen Personenverkehr empfehlen die Wissenschaftler eine Mundschutz-Pflicht.

Die Immobilienbranche, die hohe Mietausfälle vom Handel beklagt, hofft darauf, dass Geschäfte schnell wieder öffnen können und bietet Unterstützung an. "Wir stehen bereit, gemeinsam mit der Politik und Branchenverbänden entsprechende Schutzmaßnahmen zu diskutieren und zu erarbeiten. Hierzu zählen beispielsweise die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln, Masken und Plexiglasscheiben als Spuckschutz an den Kassen", sagt Iris Schöberl, Vorsitzende des Zentralen Immobilien Ausschuss ZIA – dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft.

„Die Menschen werden erst wieder mit Freude einkaufen, wenn sie glauben, dass die Krise vorbei ist.“
Iris Schöberl, Vorsitzende des Zentralen Immobilien Ausschusses ZIA

Dem Verband zufolge sei die Situation für viele Händler nicht mehr tragbar: Etwa 1,5 Milliarden Euro Umsatz gehen pro Tag bundesweit trotz E-Commerce verloren, heißt es. Nach Ansicht der Organisation sollten so viele Einzelhändler wie möglich öffnen dürfen. Eine Wiedereröffnung bestimmter Läden wie in Österreich sei kontraproduktiv, da sich dort Menschen unnötig drängen würden.

Ein normales Umsatzniveau sei in diesem Jahr nicht mehr zu erreichen, erklärt Schöberl: "Die Menschen werden erst wieder mit Freude einkaufen, wenn sie glauben, dass die Krise vorbei ist. Das wird eine Zeit dauern."

44 Prozent wollen in Verlängerung

In der Bevölkerung überwiegt einer Umfrage zufolge bei vielen die Angst vor dem Virus noch die Sehnsucht nach Normalität. Die Mehrheit der Deutschen ist gegen eine Lockerung des Kontaktverbots. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur plädierten 44 Prozent für eine Verlängerung der Maßnahmen über den 19. April hinaus. 12 Prozent sind sogar für eine Verschärfung. Nur 32 Prozent sind für eine Lockerung, und 8 Prozent für eine Abschaffung der Einschränkungen.

Die Schutzmasken-Empfehlung der Leopoldina dürfte bei den Bürgern gemischte Gefühle auslösen. Der YouGov-Umfrage zufolge wollen 33 Prozent eine solche Pflicht wie in Österreich auf Supermärkte beschränken. Weitere 21 Prozent meinen, dass überall in der Öffentlichkeit Schutzmasken getragen werden sollten. 37 Prozent sind gegen eine Schutzmaskenpflicht. (hue/dpa-AFX)

Coronavirus (Symbolbild)
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