Insektengift: Fipronil-Skandal beschäftigt di...
Insektengift

Fipronil-Skandal beschäftigt die Labore

Marcel Kusch/Picture Alliance
Belastung: Das Insektengift hinterlässt seine Spuren auch in eihaltigen Produkten.
Belastung: Das Insektengift hinterlässt seine Spuren auch in eihaltigen Produkten.
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Ein bundesweites Überwachungsprogramm für eihaltige Produkte und Eigenkontrollen von Herstellern führen zu zahlreichen Rücknahmen. Der Fipronil-Skandal wird Branche und Politik noch lange beschäftigen. Das Ausmaß ist derzeit noch nicht absehbar.

Der Fipronil-Fall ist noch längst nicht verarbeitet. EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis gelobte am Montag vor dem EU-Parlament, zeitnah Verbesserungen in der Kommunikation und beim EU-Schnellwarnsystem (RASFF) anzugehen.

Während die betroffenen Ei-Chargen längst aus den Regalen des Handels verbannt sind, verlagert sich das Fipronil-Problem auf Produkte, in denen belastete Eier verarbeitet werden. "Aufgrund der langen Haltbarkeit der betroffenen Erzeugnisse wird das Thema Fipronil die Branche noch lang beschäftigen", prognostiziert Michael Lendle, Geschäftsführender Gesellschafter der AFC Risk & Crisis Consult. "Wie viele Produkte betroffen sind, kann derzeit nicht abgeschätzt werden", so der Krisenberater.

Bundesweites Überwachungsprogramm

Im Rahmen des vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) koordinierten Überwachungsprogramms für eihaltige Produkte sollen bis zum Jahresende bundesweit rund 800 Proben ausgewertet werden. Stand Anfang dieser Woche wurden dem BVL vorläufige Ergebnisse von 389 Proben übermittelt. "Von diesen waren 336 negativ, in 53 Proben wurden Rückstände von Fipronil gefunden", so ein Sprecher des Bundesernährungsministeriums gegenüber der LZ. Immerhin 24 dieser Proben wiesen eine Fipronilmenge auf, die über dem zulässigen Rückstandshöchstgehalt lag. Für sie muss daher eine stille Rücknahme veranlasst werden. Ein öffentlicher Rückruf war bislang mangels Gesundheitsgefahr in keinem Fipronil-Fall erforderlich.

Der im Wahlkampf stehende niedersächsische Agrarminister Christian Meyer (Die Grünen) hat zusätzlich zum bundeseinheitlichen Überwachungskonzept noch ein eigenes Monitoring-Programm aufgesetzt.

Fipronil-Nachweis reicht bis 2016 zurück

Die behördlichen Untersuchungen markieren aber nur die Spitze der Eisberges. Hersteller veranlassen in großem Umfang Eigenkontrollen – teils auf Druck des Handels. "Die Labore können sich vor Aufträgen nicht retten", sagt ein Insider. Nach LZ-Informationen wurde Fipronil dabei auch in Produkten nachgewiesen, die im April 2016 verarbeitet wurden – mehr als ein Jahr bevor die belgischen Behörden auf das Problem aufmerksam wurden.

"Leider reagieren Abnehmer und Hersteller von Eiprodukten irrational und verlangen Freiheit von Fipronil oder reagieren kopflos, ohne den jeweiligen Befund zu verifizieren", kritisiert der Münchener Lebensmittelrechtsexperte Alfred Hagen Meyer.

Für Handel und Hersteller stellt sich derzeit die Frage, wie mit Fipronil-Belastungen unterhalb des Grenzwertes für verkehrsfähige Produkte umgegangen werden soll. Sie dürfen vertrieben werden und können völlig unbedenklich konsumiert werden. Mediales Ungemach droht dennoch, etwa wenn NGOs künftig eigene Untersuchungen nach dem Beispiel der Mineralölrückstände (MOSH/MOAH) durchführen sollten.

Wie der Handel reagiert

"Wir beziehen Eier und Produkte mit Eierzeugnissen nur von Lieferanten, die uns nachweisen können, dass die Eier frei von Fipronil sind", betont die Rewe Group auf LZ-Anfrage. "Die Werte müssen unter dem Rückstandshöchstgehalt von 0,005 mg/kg liegen." Aldi Süd und Nord forderten Lieferanten von Produkten mit nennenswertem Ei-Anteil auf, diese auf Fipronil untersuchen zu lassen. "Etwaige Auffälligkeiten müssen uns unverzüglich gemeldet werden", so ein Sprecher. Zudem überprüft der Discounter relevante Verarbeitungsprodukte stichprobenartig selbst. Für die Produktionen neuer, eihaltiger Lebensmittel müssen Aldi-Lieferanten sicherstellen, dass keine Rohware eingesetzt wird, die die gesetzlichen Höchstmengen überschreitet.

"Sollten wir Kenntnis erhalten, dass in einem unserer Produkte Fipronil enthalten ist, werden wir unverzüglich reagieren", versichert Lidl auf LZ-Anfrage zur Handhabung.

Ein Edeka-Sprecher betont, man stehe im engen Austausch mit den Lieferanten, will jedoch "aus Wettbewerbsgründen keine Auskunft zu konkreten Vereinbarungen geben". Nicht nur in der Politik ist Fipronil offenbar ein Wettbewerbsthema.



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