Kartenzahlung: Handel und Verbraucher profiti...
Kartenzahlung

Handel und Verbraucher profitieren von Gebührendeckelung

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Die Kosten für Kartenzahlungen haben sich seit 2015 reduziert.
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Handel und Verbraucher profitieren von Gebührendeckelung
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Durch die Regulierung der Gebühren für Kartenzahlungen in Europa sparen die deutschen Konsumenten jährlich 349 Mio. Euro. Auch der Einzelhandel zählt zu den Gewinnern der Interchange-Fee-Verordnung. Die EU-Kommission prüft nun weitere Gebührensenkungen.

Die Absenkung der Gebühren für Kredit- und Debitkarten durch die europäische Interchange-Fee-Verordnung (IF-VO) hat die Kosten für Kartenzahlungen in Europa um insgesamt 2 bis 3 Mrd. Euro pro Jahr reduziert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Beratungsunternehmen EY und Copenhagen Economics, die der LZ exklusiv vorliegt. Die Untersuchung wurde im Auftrag der EU-Wettbewerbskommission erstellt, um die Regulierung der Kartengebühren plangemäß zu evaluieren.

Mit Wirkung zum 9. Dezember 2015 hatte die EU-Kommission die sogenannten Interbankenentgelte für Zahlungen mit Kreditkarten auf 0,3 Prozent und für Debitkarten auf 0,2 Prozent vom jeweiligen Transaktionsumsatz gedeckelt. Wie die Studienautoren feststellen, führt diese Gebührendeckelung zu signifikanten Kosteneinsparungen für Händler und Konsumenten. Zudem erhöhte sich die Zahl der Akzeptanzstellen in Europa von 2015 bis 2017 um rund 20 Prozent. Die Anzahl der Kartenzahlungen stieg von 2014 bis 2017 nach der Erhebung um insgesamt 37 Prozent. Negative Effekte der Regulierung, etwa Verlagerungen von Gebühren auf andere Dienstleistungen oder zu nicht-regulierte Drei-Parteien-Kartensysteme wie American Express, seien dagegen kaum zu beobachten, bilanziert die Untersuchung.

Handel reicht 73 Prozent der Einsparungen weiter

Konkret beziffert die Studie die Einsparungen für Händler und Dienstleister in allen EU-Mitgliedsstaaten im Zeitraum von 2015 bis 2017 auf insgesamt 900 bis 1,2 Mrd. Euro. Laut der Erhebung werden im Lebensmitteleinzelhandel 73 Prozent der Einsparungen an die Verbraucher weitergereicht.

Auf dieser Basis errechnen die Autoren für die Konsumenten in fünf näher untersuchten Mitgliedsstaaten (Dänemark, Deutschland, Griechenland, Italien und Polen) jährliche Ersparnisse in Höhe von insgesamt 859 Mio. Euro. Pro Haushalt sparen die Verbraucher demnach im Schnitt rund 10 Euro. Die höchsten Einsparungen sind bei Debitkarten in Deutschland mit 310 Mio. Euro und bei Kreditkarten mit 142 Mio. Euro in Italien zu verzeichnen. Bei Kreditkarten sparen die Deutschen jährlich 39 Mio. Euro durch die Regulierung. In einem konservativer gerechneten Szenario belaufen sich die Einsparung für die Privathaushalte in den fünf Ländern auf insgesamt 487 Mio. Euro pro Jahr (5,60 Euro pro Haushalt).

Debatte um weitere Gebührensenkungen

Für die 235-seitige Studie wurden unter anderem mehr als 5000 Unternehmen aus den Bereichen Banken, Kartenorganisationen, Handel und Dienstleistung befragt. Gemäß der IF-Verordnung hätte die EU-Kommission den Evaluierungsbericht bereits am 9. Juni 2019 vorgelegen sollen. Er bildet nun die Grundlage für eine Diskussion in Brüssel um etwaige weitere Absenkung der Kartengebühren.

Die Studienautoren geben hierzu keine konkreten Handlungsempfehlungen, halten jedoch fest, dass eine Deckelung der Interbankenentgelte auf eine Obergrenze von 7 Cent je Zahlung bei Debitkarten die Anzahl der Kartenzahlungen weiter erhöhen dürfte.

In Deutschland haben Unternehmen wie Aldi, Lidl/Kaufland, Media Markt und Saturn erst im Zuge der Regulierung der Kartengebühren begonnen, Kreditkartenzahlungen zu akzeptieren.
Weitere Details aus der Studie sowie Reaktionen auf die Ergebnisse lesen Sie in der LZ 8-20



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