Weniger Plastikverpackungen? 21 Prozent sind möglich

Montag, 30. März 2020
Für Obst und Gemüse gibt es bereits zahlreiche ökologische Verpackungsalternativen zu Kunststoffschalen.
Für Obst und Gemüse gibt es bereits zahlreiche ökologische Verpackungsalternativen zu Kunststoffschalen.
Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung belegt: Jede fünfte Tonne Kunststoffmüll könnte entfallen, wenn mehr in Wellpappe verpackt würde.
„Das Substitutionspotenzial für Wellpappe ist beträchtlich“, sagt Kurt Schüler, Geschäftsführender Gesellschafter der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM). „Nach unseren Berechnungen können in der DACH-Region 21 Prozent aller Kunststoffverpackungen durch Wellpappe substituiert werden. Das entspricht einer Einsparung von rund 825.000 Tonnen Plastik im Jahr.“

Plastikreduktion: Topthema im Handel

Eine gute Nachricht für den Handel, der seit geraumer Zeit auf Plastikreduktion setzt. So haben sich beispielsweise Kaufland und Lidl im Rahmen der Plastikstrategie der Schwarz Gruppe das Ziel vorgegeben, den eigenen Kunststoffverbrauch bis 2025 um 20 Prozent zu reduzieren. 2018 konnte Kaufland bereits 2.000 Tonnen Plastik einsparen – durch Verpackungsoptimierung und -reduktion. REWE will bis 2030 seine Eigenmarken vollständig auf umweltverträgliche Verpackungen umstellen und sieht besonders großes Potenzial für papierbasierte Verpackungsalternativen im Bereich Obst und Gemüse.

Großes Kunststoff-Ersatzpotenzial besteht in einigen Bereichen des Lebensmittelsortiments und im Versandhandel.
Großes Kunststoff-Ersatzpotenzial besteht in einigen Bereichen des Lebensmittelsortiments und im Versandhandel.

Das ist offenbar der richtige Hebel. Bei Äpfeln, Tomaten & Co können nach Erkenntnissen der GVM 64 Prozent des eingesetzten Kunststoffes durch Wellpappe ersetzt werden – deutlich über dem Durchschnitt von 14 Prozent bei Lebensmitteln insgesamt. Im Non-Food-Bereich liegt das Einsparpotenzial mit 31 Prozent deutlich darüber. Wichtig: Die GVM hat bei ihren Berechnungen berücksichtigt, dass ein teilweiser Ersatz durch Wellpappe ebenfalls zu einer Reduzierung des Plastikaufkommens beitragen kann. Beispielsweise kann eine Wellpappenschale für Beeren oder Trauben das Kunststofftray ersetzen, aber eine Folienummantelung trotzdem sinnvoll sein, um das Obst vor Feuchtigkeitsverlust zu schützen und am Herausfallen zu hindern.

Teilsubstitution und Materialverbindungen

Dass eine Teilsubstitution der Schlüssel zur sinnvollen Plastikreduzierung sein kann, zeigt auch der Blick auf den Getränkebereich. Hier können Flaschen- oder Dosengebinde von Cola, Bier oder Wasser mit Hilfe von Wellpappenmanschetten oder Carrier-Lösungen – das sind Wellpappendeckel mit Haltevorrichtungen für eine bestimmte Anzahl Flaschen und einem Tragegriff in der Mitte – zusammengehalten werden. Das macht den Einsatz von Folien oder Kunststoffbändern überflüssig. „Ein interessantes Beispiel sind auch Bag-in-Box-Verpackungen mit Innenbeuteln aus Kunststoff, die immer mehr auf dem europäischen Markt eingesetzt werden. Sie ersetzen Kunststoffflaschen, -eimer und -kanister für flüssige und pastöse Produkte wie Saft, Joghurt oder Flüssigwaschmittel“, sagt Schüler. Der Kunststoffanteil wird dabei nicht auf null gesenkt, aber doch erheblich vermindert.

Der Versandhandel kann Schüler zufolge drei Viertel der eingesetzten Plastikverpackungen einsparen, indem er stattdessen Wellpappe nutzt. Hier geht es vor allem um Luftpolsterfolien, Schaumstoffelemente und Airpop-Chips, die in der Versandverpackung eine Polsterfunktion ausüben. „Wir haben herausgefunden, dass 85 Prozent aller formstabilen Schaumverpackungen durch Wellpappenlösungen ersetzt werden können.“ Wellpappenhersteller bieten eine Fülle von Inneneinrichtungen, Gefachen und anderen Polsterelementen aus Wellpappe, die deutlich umweltverträglicher sind als Kunststoff: Wellpappe wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und nach Gebrauch vollständig recycelt.

Plastikfrei: Wellpappe ist die ökologische Alternative zu Kunststoffverpackungen.

Die Studie der GVM steht auf der Website des VDW zum Download bereit.

Kontakt

Martin Petrich
Verband der Wellpappenindustrie
petrich@vdw-da.de




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