Vermutlich nachhaltiger Effekt Corona pusht Kontaktlos und Karte

von Silvia Flier
Donnerstag, 26. März 2020
Angesichts der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Infektionsrisiken fordern Händler ihre Kunden auf, statt bar per Karte oder Handy zu zahlen. Die Non-Cash-Transaktionen gehen durch die Decke, vor allem die kontaktlosen.
Vermutlich nachhaltiger Effekt
Corona pusht Kontaktlos und Karte
:
:
Info
Abonnenten von LZ Digital können sich diesen Artikel automatisiert vorlesen lassen.

Die Corona-Krise erschüttert die Welt. Sie verändert alles, selbst die kleinsten Dinge des Alltags, etwa die Art und Weise, wie wir bezahlen, im Super-, Bau- oder Drogeriemarkt. Um Kunden und Kassenpersonal vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen, fordern immer mehr Händler ihre Kunden auf, nicht mehr mit Scheinen und Münzen zu zahlen, sondern lieber Karte oder Smartphone zu zücken.

Insbesondere kontaktloses Bezahlen per Nahfunk NFC wird heftig beworben – an den Eingängen und Kassen der Filialen sowie in Social-Media-Kampagnen auf Facebook und Instagram. Bei kontaktlosem Bezahlen reicht es, Bankkarte oder Handy ans POS-Terminal zu halten, um den fälligen Betrag, bis 25 Euro, zu begleichen. So braucht niemand Scheine anzufassen, und es geht schneller.

Alle von der LZ befragten Händler empfehlen ihren Kunden derzeit den Umstieg von Cash auf Karte beziehungsweise Kontaktlos – seien es Aldi Nord und Süd, Lidl und Kaufland, Rewe und Penny, Edeka und Netto, dm, Rossmann oder Müller. Auch Hit und Hornbach weisen nach LZ-Informationen auf die präferierte Karte hin. Ein striktes Bargeld-Verbot spricht indes keiner aus. "Das können wir uns in einem Barzahler-Land wie Deutschland nicht leisten, der Shitstorm wäre programmiert", so der Manager eines großen Filialisten.

Die meisten Experten sind sich zwar einig, dass von Münzen und Scheinen keine große Infektionsgefahr ausgeht. Darauf haben kürzlich Bundesbankvorstand Johannes Beermann und der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts René Gottschalk hingewiesen.

Und dennoch: Die Händler wollen Ansteckungsrisiken so gut es geht begrenzen, den "direkten Kontakt zwischen Kunde und Mitarbeiter, der beim Austausch des Bargelds entsteht, vermeiden und Abstand wahren", erklärt ein Kaufland-Sprecher. Zudem soll Kunden und Kassierern ein subjektives Gefühl von Sicherheit vermittelt werden, so der Manager eines anderen Händlers.

"Signifikante Verschiebung zu Bargeldlos- und Kontaktlos"

Viele Kunden folgen der Aufforderung. Die Statistiken bestätigen das: "Aktuell registrieren wir eine signifikante Verschiebung zu Bargeldlos und Kontaktlos", berichtet Horst Lang, Leiter Qualitätssicherung bei Globus. Vor allem Kontaktlos hat sich "enorm gesteigert", heißt es von Aldi Süd: "Mittlerweile erfolgt rund die Hälfte aller Kartenzahlungen kontaktlos, Tendenz steigend."

Experten vermuten, dass der Trend anhalten könnte. "Gut möglich, dass die positive Erfahrung mit Kontaktlos und Karte einen nachhaltigen Effekt auf das Bezahlverhalten hat", so EHI-Geschäftsführungsmitglied Horst Rüter. Laut vorläufigen, noch unveröffentlichten Zahlen des Instituts lag der Cash-Anteil am deutschen Handelsumsatz 2019 nur noch bei 46,8 Prozent, der der Karte bei 50,2 Prozent.

Schlagworte zu diesem Artikel:

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Anzeige

Meistgelesen

stats